Mittwoch, 29. März 2017

Johannes 1, Verse 1 - 14*

Das hatte ich mir einfacher vorgestellt. – Ich lese und durchdenke die erste Bibelstelle und versuche Ordnung und einen Guss aus den duzenden verschiedenen Gedanken zu machen. In den 14 Versen des Abschnitts sehe ich viele unterschiedliche Allegorien und Ansprechhaltungen. Und wenn ich sie zu erörtern versuche, merke ich selbst, dass diese Erörterung vermutlich für all diejenigen unbefriedigend ist, die nur ein wenig vertraut sind mit dem christlichen Glauben. Wer selbst glaubt oder auch nur mit dem Glauben aufwuchs, merkt die erste zu querende Brücke vermutlich gar nicht, sondern geht selbstverständlich darüber: den christlichen Gott und seine Personifizierung anzunehmen. Ich dagegen sehe die Brücke sehr genau – und kann sie nicht überqueren.
Dabei finde ich manche Sätze geradezu sympathisch. „Am Anfang war das Wort.“ Das finde ich gut – als Journalistin und Autorin. Doch eigentlich weiß ich: Vor dem Wort kommt der Ton. Wenn die Menschen den Inhalt von Worten noch nicht wahrnehmen, reagieren sie doch schon auf deren Klang. – Diesen Gedanken verfolgend überlege ich: Vielleicht hat Gott nicht zu jeder Zeit direkt zu jedem sprechen können, dann ist das Wort – vermutlich seine Gesetze, die Worte der Bibel – die beste Alternative.
Auch unbedingt nachdenkenswert fand ich Vers 8 (wenn ich auch erst annahm, hier schriebe Johannes über sich selbst – Ruth erklärte, dass der Text vom Evangelisten und Jünger Jesu stammt, der hier über Johannes den Täufer schreibt): „Johannes war nicht das Licht. Er sollte nur ein Zeuge für das kommende Licht sein.“ Johannes ist also der, der überliefert. Keine Behauptung, er sei das Licht. – Ich dachte: Heute würden womöglich mehr Menschen von sich behaupten, sie seien das Licht, als früher. Oder, wenn es die Annahme, die Menschen würden immer schlimmer, damals wie heute gab bzw. gibt: dass schon damals viele Menschen von sich behaupteten, sie seien das Licht und wie gut es tut, wenn jemand mäßigend dagegensteht und sagt: Johannes der Täufer sei nicht das Licht. Er sei Zeuge desjenigen, der das Licht ist – der Zeuge für Jesus’ Leben, Gottes Menschwerdung. (Ruth setzte in der Erklärung „Licht sein“ und „Erleuchtung haben“ gleich – so weit hatte ich nicht gedacht.)
Viele Gedankenansätze bescherte mir schließlich auch Vers 13. Gottes Gnade gäbe es nicht dafür, Teil des auserwählten Volkes zu sein – zwar ein Angriff auf den jüdischen Glauben, aber ein mir angenehmer Ansatz. Jedoch: Auch menschliche Zeugung und Geburt genügten nicht für die Gnade. Wenn an dieser Stelle stände: Sie genügten – das Buch wäre mein Buch! Aber es steht: „Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott.“ Und „neues Leben“ scheint gleichgesetzt mit „Gottes Gnade“ – ein Gedanke, der zu umfassend ist, als dass ich ihn durchdringe. Ich kann mir zwar intellektuell erschließen, dass der biologischen Geburt durch die Taufe ein „neues Leben“, ein Leben im Leben (mit Gott in sich) folgt. Aber wie sich das zu Gottes Gnade verhält, daran scheitere ich.
Ich verstehe Gnade als freundlich-herzlichen Akt ohne Gegenleistung im Vor- oder Nachhinein. – Das würde Gott entweder willkürlich machen (er gewährt die Gnade denen, die er – aus welchen Gründen auch immer – mag und es ist egal, wie sie handeln) oder er müsste sie jedem Zuteil werden lassen, dann würden menschliche Zeugung und Geburt doch genügen. Am wahrscheinlichsten jedoch: Er verlangt eine Gegenleistung, nämlich, ihn aufzunehmen. Was zu Jesus’ Lebzeiten vermutlich ganz real meinte, ihn ins Haus aufzunehmen, was heute wahrscheinlich symbolisch zu verstehen ist, er müsse ins Herz aufgenommen werden.

Fazit: Der Auftakt war eine Herausforderung. Ganz meistern konnte ich sie nicht. Sowohl, weil ich nicht über die Brücke der Grundannahme gehen kann, als auch weil ich mir manche Zusammenhänge allein nicht erschließen konnte. Hinzu kommt, dass aus den verschiedenen Gedankenblitzen zu – in meiner Wahrnehmung – verschiedenen Textabsichten kein Beitrag aus einem Guss geworden ist.

Julia 

* Johannes 1, Verse 1- 14 (Hoffnung für alle)
1 Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst. 2 Von Anfang an war es bei Gott. 3 Alles wurde durch das Wort geschaffen; nichts ist ohne das Wort entstanden. 4 In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht für alle Menschen. 5 Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können. 6 Gott schickte einen Boten, einen Mann, der Johannes hieß. 7 Sein Auftrag war es, die Menschen auf das Licht hinzuweisen. Alle sollten durch seine Botschaft an den glauben, der das Licht ist. 8 Johannes selbst war nicht das Licht. Er sollte nur ein Zeuge für das kommende Licht sein. 9 Das wahre Licht ist der, der in die Welt gekommen ist, um für alle Menschen das Licht zu bringen. 10 Doch obwohl er unter ihnen lebte und die Welt durch ihn geschaffen wurde, erkannten ihn die Menschen nicht. 11 Er kam in seine Welt, aber die Menschen wiesen ihn ab. 12 Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. 13 Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten, auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott. 14 Das Wort wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In ihm sind Gottes Gnade und Wahrheit zu uns gekommen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen