Dieses Mal beschränke ich mich auf die Kommentierung der Texte von Ruth und Julia sowie die Erweiterung um ein paar wenige eigene Gedanken. Denn dieser Text erweckt kaum Bedürfnis nach ausgiebigem Studium in mir. Außerdem fehlt mir gerade die Diskussion ein wenig, ich stelle mir vor, wir säßen bei Tee beieinander und sprächen miteinander über diese Zeilen. Das würde mir gefallen.
Ruth und Julia heben beide zuvorderst auf den Moment der Vertrautheit ab. Tatsächlich erscheint mir dies der bedeutsamste, weil sicherlich wirkungsvollste Weg in der Glaubensvermittlung. Sind es nicht diese wenigen stimmungsvollen, klanghaften Bibelstellen, die immer wieder höchst selektiv genutzt werden, um die Gemeinschaft der Gläubigen einzuschwören... Eine Erinnerung, die für ein wohliges Gefühl sorgt. Wie das Wiegenlied, das uns die Eltern sangen. Der Inhalt wird erfüllt von diesem Gefühl und auf eine Art nebensächlich.
Nehme ich nur den Inhalt, dann komme ich ins Grübeln: Ich soll das Schäflein sein, getrieben von meinem Hirten. Der sorgt zwar für meine Sicherheit, mein Wohl. Aber ich bin ihm überantwortet. Ich gebe die Verantwortung ab. Das hat tatsächlich etwas Kindliches, auch etwas kindlich schönes. Ja, wie ein Wiegenlied. Aber hat das wunderbare Erwachsen (!) des menschlichen Geistes, das Verantwortung übernehmen für sich selbst, darin überhaupt Platz? Ruth, deine Gedanken dazu würden mich interessieren... Julia, ich muss immer wieder an eine schöne Metapher denken, die du im ersten Text hier bemühst. Der Glaube sei die allererste Brücke, über die zu gehen uns die Bibel abverlangt. Vielleicht ist er - jetzt noch einmal das Bild, das mir von der Lektüre dieses Psalms bleibt - auch das Wiegenlied, das nur in der Wiederholung und Erinnerung das Gefühl der warmen Decke erzeugt. Dem im Wortsinn erwachsenen Geist, der den Sinn nur in den Worten sucht und suchen kann, verschließt sich dies.
Manu
Quelle: Lutherbibel 1984
Donnerstag, 27. April 2017
Mittwoch, 26. April 2017
Psalm 23
Der
Geist freut sich, wenn er etwas entdeckt, was er kennt. Das stellte
ich mal wieder fest beim Lesen von Psalm 23. Denn das weckte schon
deshalb Freude, weil ich Teilsätze wiedererkannte, insbesondere in
der Lutherbibel 1984. So heißt es dort: „Der Herr ist mein Hirte;
mir wird nichts mangeln.“ Die durch ihre Klarheit mir sonst oft
liebe Einheitsübersetzung wirkte für diesen Abschnitt und jenes
Bedürfnis des Geistes flach und etwas unrhythmisch. Als Beispiel
der gleiche Satz: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir
fehlen.“
Ich kann mir gut vorstellen, dass diese sechs Verse beruhigend wirken, wenn man sie wie ein Mantra – oder eben Gebet – hinausschicken kann, um sich der Anwesenheit Gottes zu vergewissern. Auch dabei wirkt gewiss die Wiederholung – insofern sie den Text zu etwas Vertrautem macht. Ich kenne das von einigen Sprichworten oder Aphorismen oder sogar wenigen Liedern, die mir in bestimmten Situationen oder Gefühlsmomenten einfallen. – In meinem Fall sind sie aber eher beschreibend als nach vorn gerichtet. Psalm 23 scheint mir in die Zukunft gerichtet.
Die Verse 1 bis 4 bleiben ja im gleichen Bild: Gott als Hirte der Gläubigen, was vielleicht auch seine Eingängigkeit und infolge dessen Bekanntheit erklärt. Mir fiel es erst richtig auf, als ich Informationen für die Stelle suchte, die mit Fragezeichen einherging. „dein Stecken und Stab trösten mich“ (Lutherübersetzung 1984) bzw. „dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“ (Einheitsübersetzung). Ich überlegte, ob der Stecken nicht zur Strafe gedacht sei und darin fände ich nun weder Trost noch Zuversicht.
Umfangreich erklärt wurde es mir dann auf dieser Seite. Hier wird der Knüppel zuerst mit der Funktion der Verteidigung des Hirten gegen Angreifer erläutert, in zweiter Funktion, "um widerspenstige Tiere seiner Herde zu bestrafen und zur Herde zurückzubringen". Allerdings soll der Stock auch noch so verwendet worden sein, dass die Tiere beim Verlassen des Pferchs direkt darunter hindurch liefen – so zählte sie der Schäfer und prüfte zugleich, ob sie Krankheiten unter dem Fell hatten. Übertragen: Gott kümmert sich um seine Schäfchen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass diese sechs Verse beruhigend wirken, wenn man sie wie ein Mantra – oder eben Gebet – hinausschicken kann, um sich der Anwesenheit Gottes zu vergewissern. Auch dabei wirkt gewiss die Wiederholung – insofern sie den Text zu etwas Vertrautem macht. Ich kenne das von einigen Sprichworten oder Aphorismen oder sogar wenigen Liedern, die mir in bestimmten Situationen oder Gefühlsmomenten einfallen. – In meinem Fall sind sie aber eher beschreibend als nach vorn gerichtet. Psalm 23 scheint mir in die Zukunft gerichtet.
Die Verse 1 bis 4 bleiben ja im gleichen Bild: Gott als Hirte der Gläubigen, was vielleicht auch seine Eingängigkeit und infolge dessen Bekanntheit erklärt. Mir fiel es erst richtig auf, als ich Informationen für die Stelle suchte, die mit Fragezeichen einherging. „dein Stecken und Stab trösten mich“ (Lutherübersetzung 1984) bzw. „dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“ (Einheitsübersetzung). Ich überlegte, ob der Stecken nicht zur Strafe gedacht sei und darin fände ich nun weder Trost noch Zuversicht.
Umfangreich erklärt wurde es mir dann auf dieser Seite. Hier wird der Knüppel zuerst mit der Funktion der Verteidigung des Hirten gegen Angreifer erläutert, in zweiter Funktion, "um widerspenstige Tiere seiner Herde zu bestrafen und zur Herde zurückzubringen". Allerdings soll der Stock auch noch so verwendet worden sein, dass die Tiere beim Verlassen des Pferchs direkt darunter hindurch liefen – so zählte sie der Schäfer und prüfte zugleich, ob sie Krankheiten unter dem Fell hatten. Übertragen: Gott kümmert sich um seine Schäfchen.
Der Stab ist leichter erklärbar – der
lange, am Ende gebogene Stab aus pittoresken Landschaftsbildern:
Darauf lehnte der Schäfer sich, drückte aber auch Schafe zurück in
ihre Plätze. Zusammenfassend heißt es auf der Seite: "so redet der Stecken von Autorität, Zucht und Verteidigung, während der Stab den Gedanken der Sorgfalt und Leitung vorstellt."
Das ist ein beruhigendes Bild. Suggeriert es doch, dass jeder seinen Platz hat, dass sich Gott kümmere, er alle seine Schäfchen genau kennt und leitet. - Für Gläubige sicher ein Trost.
Julia
Quellen: Lutherbibel 1984 und Einheitsübersetzung
Dienstag, 25. April 2017
Psalm 23
Psalm 23 ist ein Klassiker: Im Konfirmanden-Unterricht müssen ihn die meisten auswendig lernen. Und mussten es wohl früher auch schon, denn ich denke bei dem Psalm auch immer an die Omis aus der Kirchgemeinde meiner Kindheit, die ihn auswendig mitsprechen konnten. Ich kann das auch.
Psalmen sind religiöse Lieder, die im Judentum und später auch im Christentum als Gebetslieder eine wichtige Rolle spielten. Hier wird Gott direkt angesprochen oder über ihn gesungen - oft als Dank oder Lobpreisung. Es gibt aber auch anklagende, fragende Texte - die Klagepsalmen.
Psalm 23 ist der bekannteste in der Sammlung der Psalmen (es gibt darüber hinaus aber noch mehr, sogar im Neuen Testament). Er wird König David zugeschrieben, ist kurz und einprägsam und benutzt ein eindrückliches Bild: Gott wird als guter Hirte beschrieben.
Bevor David König wurde, war er ein bedeutungsloser Hirtenjunge. (Übrigens ist die Geschichte Davids in der Bibel eine hochspannend erzählte Story - es lohnt sich wirklich, die mal am Stück zu lesen! Sie enthält alles, was uns Menschen ausmacht - mit unseren Zweifeln und Brüchen - und ist keine platte Heldenverehrung. Sogar mein atheistischer Gatte findet die toll! Man lese die zwei Bücher Samuel und das 1. Buch Könige...) David war also Hirte und wusste, wovon er sprach. Er hatte auch Verfolgung und wahrlich schwere Zeiten in seinem Leben durchgemacht, auch mit Gott gehadert (denn er begehrte eine Frau, die verheiratet war - aber das sollte man selbst nochmal genauer nachlesen).
Und trotzdem kann er am Ende sagen (bzw. singen): Gott ist gut zu mir, er passt auf mich auf. Egal wie finster es um mich herum ist, ich muss mich nicht fürchten, Gott zeigt mir den richtigen Weg. Besonders schön: "Er erquickt meine Seele" (Vers 3). Wer wie ich Depressionen oder einfach nur schwere Momente kennt, der wünscht sich doch so eine Seelenbehandlung!
Das Bild des Frischen Wassers, zu dem mich Gott als Guter Hirte führt, taucht hier wieder auf. Für die Autoren der Bibel war Wasser ein besonders starkes Zeichen für Leben - denn sie waren umgeben von Wüste. Das Bild taucht in der Bibel also immer mal auf und auch Jesus spricht von sich als "lebendiges Wasser". Am Anfang der Bibel wird das Paradies als ein blühender Garten beschrieben, voller Leben - der nur durch Wasser möglich und nicht selbstverständlich war, was für uns Europäer wohl nicht so leicht nachzuvollziehen ist, wo es das ganze Jahr über grün ist.
Es fällt auf, das David in der ersten Hälfte des Textes über Gott singt, in der zweiten ihn direkt anspricht. So wurden die Psalmen aus der Bibel vielen Juden und Christen eine direkte Vorlage für ihre eigenen Gebete. Bis heute werden sie auch mal immer wieder neu vertont. Auch Martin Luther nahm sie als Vorbild für deutschsprachige Liedtexte.
Die Psalmen sind nicht nur in ihrer direkten Ansprache Gottes sehr persönlich, sondern verraten auch viel über die Verfasser und ihre Geschichte mit Gott. David endet damit, dass er die Segnungen Gottes in seinem Leben beschreibt und schließt, dass er "immerdar" bei Gott, "im Hause des Herrn" sein wird. Wer mehr von seiner Geschichte weiß, kann staunen: Er hat erlebt, dass ihm trotz schwerer Lebenskrisen Gutes widerfährt, er die Barmherzigkeit Gottes spürt. So kann David sagen: Ich halte an Gott fest, denn in seinem Haus (in seiner Gegenwart) ist mein Platz.
Das ist, finde ich, doch ein sehr ermutigender Schluss und damit kein Wunder, dass dieser Psalm so bekannt ist. Wer ihn im Konfirmandenunterricht gelernt hat, kann ihn sich auch in schweren Zeiten selbst zusprechen und so an Gott festhalten, wenn die eigenen Worte fehlen. Und man kann ihn als Vorlage zum Dankgebet verwenden.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Psalmen sind religiöse Lieder, die im Judentum und später auch im Christentum als Gebetslieder eine wichtige Rolle spielten. Hier wird Gott direkt angesprochen oder über ihn gesungen - oft als Dank oder Lobpreisung. Es gibt aber auch anklagende, fragende Texte - die Klagepsalmen.
Psalm 23 ist der bekannteste in der Sammlung der Psalmen (es gibt darüber hinaus aber noch mehr, sogar im Neuen Testament). Er wird König David zugeschrieben, ist kurz und einprägsam und benutzt ein eindrückliches Bild: Gott wird als guter Hirte beschrieben.
Bevor David König wurde, war er ein bedeutungsloser Hirtenjunge. (Übrigens ist die Geschichte Davids in der Bibel eine hochspannend erzählte Story - es lohnt sich wirklich, die mal am Stück zu lesen! Sie enthält alles, was uns Menschen ausmacht - mit unseren Zweifeln und Brüchen - und ist keine platte Heldenverehrung. Sogar mein atheistischer Gatte findet die toll! Man lese die zwei Bücher Samuel und das 1. Buch Könige...) David war also Hirte und wusste, wovon er sprach. Er hatte auch Verfolgung und wahrlich schwere Zeiten in seinem Leben durchgemacht, auch mit Gott gehadert (denn er begehrte eine Frau, die verheiratet war - aber das sollte man selbst nochmal genauer nachlesen).
Und trotzdem kann er am Ende sagen (bzw. singen): Gott ist gut zu mir, er passt auf mich auf. Egal wie finster es um mich herum ist, ich muss mich nicht fürchten, Gott zeigt mir den richtigen Weg. Besonders schön: "Er erquickt meine Seele" (Vers 3). Wer wie ich Depressionen oder einfach nur schwere Momente kennt, der wünscht sich doch so eine Seelenbehandlung!
Das Bild des Frischen Wassers, zu dem mich Gott als Guter Hirte führt, taucht hier wieder auf. Für die Autoren der Bibel war Wasser ein besonders starkes Zeichen für Leben - denn sie waren umgeben von Wüste. Das Bild taucht in der Bibel also immer mal auf und auch Jesus spricht von sich als "lebendiges Wasser". Am Anfang der Bibel wird das Paradies als ein blühender Garten beschrieben, voller Leben - der nur durch Wasser möglich und nicht selbstverständlich war, was für uns Europäer wohl nicht so leicht nachzuvollziehen ist, wo es das ganze Jahr über grün ist.
Es fällt auf, das David in der ersten Hälfte des Textes über Gott singt, in der zweiten ihn direkt anspricht. So wurden die Psalmen aus der Bibel vielen Juden und Christen eine direkte Vorlage für ihre eigenen Gebete. Bis heute werden sie auch mal immer wieder neu vertont. Auch Martin Luther nahm sie als Vorbild für deutschsprachige Liedtexte.
Die Psalmen sind nicht nur in ihrer direkten Ansprache Gottes sehr persönlich, sondern verraten auch viel über die Verfasser und ihre Geschichte mit Gott. David endet damit, dass er die Segnungen Gottes in seinem Leben beschreibt und schließt, dass er "immerdar" bei Gott, "im Hause des Herrn" sein wird. Wer mehr von seiner Geschichte weiß, kann staunen: Er hat erlebt, dass ihm trotz schwerer Lebenskrisen Gutes widerfährt, er die Barmherzigkeit Gottes spürt. So kann David sagen: Ich halte an Gott fest, denn in seinem Haus (in seiner Gegenwart) ist mein Platz.
Das ist, finde ich, doch ein sehr ermutigender Schluss und damit kein Wunder, dass dieser Psalm so bekannt ist. Wer ihn im Konfirmandenunterricht gelernt hat, kann ihn sich auch in schweren Zeiten selbst zusprechen und so an Gott festhalten, wenn die eigenen Worte fehlen. Und man kann ihn als Vorlage zum Dankgebet verwenden.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Samstag, 22. April 2017
Die Geschichte der Auferstehung - Lukas 24
Mir war gleich klar, dass das wichtig ist, im wahrsten Sinne des Wortes religionsstiftend. Deshalb habe ich mich dieses Mal vertiefend belesen. Und gelernt, dass die Geschichte der Auferstehung sich in mehr als ein Dutzend Bibelstellen wiederfindet. Das war mir gleich komisch vorgekommen, schließlich schloss sich bereits unmittelbar an die Bibelstelle der letzten Woche, Markus 14 und 15, die bzw. eine Auferstehungsgeschichte an. Ich lerne weiterhin bei der Recherche, dass sich sämtliche Varianten in Details unterscheiden. Wer hat wann genau den auferstandenen Jesus gesichtet, was hat er gesagt, wann wurde er erkannt. Die wesentlichen Eckpunkte sind aber identisch. Mir erschließt sich der Sinn dieser Redundanz nicht so recht. Sollte das die Glaubwürdigkeit erhöhen? Schon klar, das sind zusammengetragene Aufzeichnungen. Aber irgendwer hat das ja zusammengesammelt und hätte doch die beste oder kenntnisreichste oder glaubwürdigste Variante auswählen können.
Nun gut, Nebenschauplatz. Entscheidender ist für mich doch, wie mit diesem Teil der Bibel umgegangen wurde und wird. Da wiederum, so lerne ich, ist es so, dass die Gläubigen und Bibeltheoretiker jahrhundertelang durchaus die Ansicht vertraten, dass Jesus leibhaftig, also als Mensch von Fleisch und Blut auferstanden ist. Auch heute scheint das noch nicht ganz vom Tisch zu sein. Ich erinnere mich an die Reportage über einen italienischen Forscher, die ich vor einigen Wochen sah. Dieser versuchte mit wissenschaftlichen Mitteln herauszufinden, dass das im Vatikan verwahrte Grabestuch Jesu echt sei (davon schien er als gläubiger Christ überzeugt) und wie das Abbild Jesu darauf gekommen sein könnte. Nach jahrelangen Versuchen schloss er, ich stelle das jetzt mal verkürzt dar, dass dies nur durch eine elektrische Entladung beim Akt der Auferstehung entstanden sein könne. Das erscheint mir etwas abenteuerlich, aber durchaus spannend fand ich, dass es den wenigen Wissenschaftlern, die bislang das Tuch untersuchen durften, wohl nicht gelungen ist, mit banal weltlichen Ursachen zu erklären, wie das Abbild darauf gekommen sein könnte.
Jedenfalls hat sich die Bibeldeutung inzwischen offenbar dahingehend verändert, dass ein Großteil der Theologen die Auferstehung und das Erkennen Jesu durch seine Jünger und Gläubigen eher als eine Art Vision oder auch metaphorischen Akt deuten. Das gefällt mir. Das könnte doch bedeuten, dass Jesus in jeder oder jedem von uns erkannt werden könnte. Solange man daran glaubt. Wenn ich jetzt noch Jesus selbst als Metapher für einen wohlwollenden und barmherzigen Zugang zu anderen Menschen (das ist natürlich angesichts der Tatsache, dass sich Jesu Barmherzigkeit wohl nur auf die bezieht, die an ihn glauben) sehe - ja dann bin ich gar nicht so weit weg von meinem Wunsch nach Miteinander. Es gibt die Geschichte von einem Jungen, der in einem alten hartherzigen Mann nur das Gute sehen will. Er glaubt mit jeder Faser daran, dass der Mann voll Güte, Wärme und kindlicher Freude ist. Eine Art Jesus quasi. Und siehe da, er wird es und kann sich selbst so sehen. Durch die Augen des Junge. Keine schlechte Vorstellung oder?
Manu
Mittwoch, 19. April 2017
Die Ostergeschichte - Lukas 24
"Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden" lautet eine Liedzeile, an die ich mich immer wieder Ostern erinnere. Das Lied habe ich als Kind in der Christenlehre gelernt, es hat Ohrwurmcharakter und geht einem so schnell nicht wieder aus dem Sinn. Hier im Lukasevangelium 24, Vers 34 finde ich die Zeile wieder. Es ist ein freudiger und doch leicht verwunderter Ausruf. Die Jünger, die von Jesu Auferstehung erzählen, können es ja kaum selbst glauben, was sie gerade erlebt haben!
Die Geschichte über die Auferstehung ist die Wichtigste für die Christen. Indem Jesus seine eigenen Aussagen und auch die Prophezeiungen aus dem Alten Testament wahr macht, beweist er, dass er von Gott gesandt ist. Er hat den Tod besiegt, denn der konnte ihn gerade mal drei Tage (streng genommen: zwei Nächte) festhalten. Seinem Opfertod folgt, dass er zurückkehrt an die Seite seines Vaters im Himmel - wie es ihm als Gottessohn gebührt. Doch wie kann ich selbst an die Auferstehung glauben? Ist doch Jesus schon bald für menschliche Augen verschwunden (Lukas erzählt das hier in einer fast unverschämt gekürzten Version).
Zuerst erfahren die Frauen von seiner Auferstehung, die ihn zuletzt begleitet hatten und die seinen toten Körper einölen wollten. Sie kommen an sein Grab: eine Höhle in Stein geschlagen, wie damals üblich. Ich bin selbst einmal in Jerusalem gewesen. Dort sah ich in einem Garten eine Stelle, die sein Grab gewesen sein könnte (nicht unter der Grabeskirche). Es war um die Osterzeit herum, also Frühling. Alles blühte so farbenfroh, es gab viel Grün und die Luft war warm, aber noch frisch. Daran muss ich denken, wenn ich diese Zeilen lese. Der Stein, der "weggewälzt" war, war vermutlich mannshoch. Schwer vorstellbar, dass jemand ihn allein (und auch noch von Innen) bewegt haben kann.
Die Frauen begegnen bei Lukas nur den Engeln - Männern in "glänzenden Kleidern", die ihnen erklären, warum Jesus weg ist und die entsprechenden Bibelstellen aus dem Alten Testament auslegen. In einer anderen Version der Auferstehungsgeschichte begegnet Jesus Maria Magdalena im Garten und sie meint, er wäre der Gärtner (Johannes 20, Vers 15). Sie erkennt ihn genauso wenig wie die Emmaus-Jünger. Er muss sich seinen Vertrauten erst zu erkennen geben.
Ja, so geht es mir wohl auch oft, dass ich ihn nicht erkenne. Dass ich zweifle, wie die Jünger, wenn er vor ihnen steht und sie ihn anfassen sollen, damit sie sich nicht weiter wundern. Es bleibt eben eine Glaubensentscheidung, daran festzuhalten, dass Jeus bei mir ist, auch wenn ich ihn nicht sehe. Das kann man schlecht erklären. Meiner damals dreijährigen Tochter sagte ich einmal: Wir können Jesus nicht sehen, aber er wohnt in unserem Herzen. Daraufhin fragte sie logisch schlussfolgernd: Warum wohnt Jesus in unserem Herzen, ist der ganz klein?
Nein. Aber er hat sich klein gemacht, damit ich etwas von ihm begreifen kann, was mein Menschenverstand nachvollziehen kann. Er war eine bestimmte Zeit Mensch und kennt deshalb die menschlichen Fragen, Nöte und Freuden.
Ein sehr oft zitierter Satz ist Vers 29: "Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt." Das sagen die Emmaus-Jünger zu Jesus bevor sie ihn erkennen, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Oft wird der Vers aber heute gebraucht, um sich an Jesus festzuklammern: Auch in schwierigen Zeiten, steh mir bei! Der Abend bringt Unsicherheit, oft steht er auch für den Lebensabend. Da wollen wir Christen uns vergewissern und gegenseitig zusprechen: Jesus, bleib bei uns!
Ich habe als Teenager einmal sehr ernsthaft gebetet, dass Jesus mich nie loslassen soll. Man sollte solche ernsthaften Gebete sehr sparsam einsetzten, denn sie könnten wahr werden! Leider kann ich jetzt nicht mehr leichtfertig das Handtuch werfen und sagen: Mit diesem religiösen Zeug will ich nichts mehr zu tun haben. Ich denke oft an mein noch unschuldiges Gebet, wenn ich das Gefühl habe, dass ich Jesus nicht mehr erkennen kann, wenn meine Zweifel an ihm wachsen (wobei ich nicht an seiner Existenz zweifle, sondern eher an seiner Bedeutung für mein Leben). Aber er lässt mich nicht los, er bleibt bei mir, gerade wenn es finster wird. Bis heute habe ich meinen Glauben nicht verloren - nach manchem inneren Kampf. Ich glaube, das ist nicht mein Verdienst, sondern die Stärke von Gottes Sohn, der das Finstere besiegt hat.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Die Geschichte über die Auferstehung ist die Wichtigste für die Christen. Indem Jesus seine eigenen Aussagen und auch die Prophezeiungen aus dem Alten Testament wahr macht, beweist er, dass er von Gott gesandt ist. Er hat den Tod besiegt, denn der konnte ihn gerade mal drei Tage (streng genommen: zwei Nächte) festhalten. Seinem Opfertod folgt, dass er zurückkehrt an die Seite seines Vaters im Himmel - wie es ihm als Gottessohn gebührt. Doch wie kann ich selbst an die Auferstehung glauben? Ist doch Jesus schon bald für menschliche Augen verschwunden (Lukas erzählt das hier in einer fast unverschämt gekürzten Version).
Zuerst erfahren die Frauen von seiner Auferstehung, die ihn zuletzt begleitet hatten und die seinen toten Körper einölen wollten. Sie kommen an sein Grab: eine Höhle in Stein geschlagen, wie damals üblich. Ich bin selbst einmal in Jerusalem gewesen. Dort sah ich in einem Garten eine Stelle, die sein Grab gewesen sein könnte (nicht unter der Grabeskirche). Es war um die Osterzeit herum, also Frühling. Alles blühte so farbenfroh, es gab viel Grün und die Luft war warm, aber noch frisch. Daran muss ich denken, wenn ich diese Zeilen lese. Der Stein, der "weggewälzt" war, war vermutlich mannshoch. Schwer vorstellbar, dass jemand ihn allein (und auch noch von Innen) bewegt haben kann.
Die Frauen begegnen bei Lukas nur den Engeln - Männern in "glänzenden Kleidern", die ihnen erklären, warum Jesus weg ist und die entsprechenden Bibelstellen aus dem Alten Testament auslegen. In einer anderen Version der Auferstehungsgeschichte begegnet Jesus Maria Magdalena im Garten und sie meint, er wäre der Gärtner (Johannes 20, Vers 15). Sie erkennt ihn genauso wenig wie die Emmaus-Jünger. Er muss sich seinen Vertrauten erst zu erkennen geben.
Ja, so geht es mir wohl auch oft, dass ich ihn nicht erkenne. Dass ich zweifle, wie die Jünger, wenn er vor ihnen steht und sie ihn anfassen sollen, damit sie sich nicht weiter wundern. Es bleibt eben eine Glaubensentscheidung, daran festzuhalten, dass Jeus bei mir ist, auch wenn ich ihn nicht sehe. Das kann man schlecht erklären. Meiner damals dreijährigen Tochter sagte ich einmal: Wir können Jesus nicht sehen, aber er wohnt in unserem Herzen. Daraufhin fragte sie logisch schlussfolgernd: Warum wohnt Jesus in unserem Herzen, ist der ganz klein?
Nein. Aber er hat sich klein gemacht, damit ich etwas von ihm begreifen kann, was mein Menschenverstand nachvollziehen kann. Er war eine bestimmte Zeit Mensch und kennt deshalb die menschlichen Fragen, Nöte und Freuden.
Ein sehr oft zitierter Satz ist Vers 29: "Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt." Das sagen die Emmaus-Jünger zu Jesus bevor sie ihn erkennen, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Oft wird der Vers aber heute gebraucht, um sich an Jesus festzuklammern: Auch in schwierigen Zeiten, steh mir bei! Der Abend bringt Unsicherheit, oft steht er auch für den Lebensabend. Da wollen wir Christen uns vergewissern und gegenseitig zusprechen: Jesus, bleib bei uns!
Ich habe als Teenager einmal sehr ernsthaft gebetet, dass Jesus mich nie loslassen soll. Man sollte solche ernsthaften Gebete sehr sparsam einsetzten, denn sie könnten wahr werden! Leider kann ich jetzt nicht mehr leichtfertig das Handtuch werfen und sagen: Mit diesem religiösen Zeug will ich nichts mehr zu tun haben. Ich denke oft an mein noch unschuldiges Gebet, wenn ich das Gefühl habe, dass ich Jesus nicht mehr erkennen kann, wenn meine Zweifel an ihm wachsen (wobei ich nicht an seiner Existenz zweifle, sondern eher an seiner Bedeutung für mein Leben). Aber er lässt mich nicht los, er bleibt bei mir, gerade wenn es finster wird. Bis heute habe ich meinen Glauben nicht verloren - nach manchem inneren Kampf. Ich glaube, das ist nicht mein Verdienst, sondern die Stärke von Gottes Sohn, der das Finstere besiegt hat.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Die Ostergeschichte - Lukas 24
Das Fazit vorweg: Lukas 24 ist wieder eine schöne Stelle, um
mehr über diese und folgende Feiertage zu lernen. Und für mich ist es auch
wieder eine schöne Geschichte, in der ich Bilder wiederfinde, wie ich sie in
Museen gesehen habe, aber fast nichts, das mich ergreift oder sinnieren lässt.
Ich lese, dass „Maria Magdalene, Johanna und Maria, die
Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren“ (Lukas 24,
Vers 10) als erste von Engeln erfahren, dass Jesus tatsächlich auferstanden
ist. Dass sie den Aposteln davon berichten – die es jedoch als „Geschwätz“
(Lukas 24, Vers 11) abtun und ihnen nicht glauben. Nur Petrus lässt sich
verwundern – im Wortsinn: das Wunder, das es für ihn als Gläubigen sein muss,
auf sich wirken.
Während ich die erste Sequenz inhaltlich kannte, war mir die
Begegnung der Jünger mit Jesus „auf dem Weg nach Emmaus“ unbekannt – und
sympathisch. Denn hier unterhalten sich zwei Menschen, die enttäuscht sind von
dem, was Jesus’ Kreuzigung folgte, nämlich nichts (übrigens ein interessantes
Wort, dieses „enttäuschen“, beinhaltet es doch, dass man sich bis dato
getäuscht hatte und nun nicht mehr täuscht – aber so lässt sich diese Stelle
nicht interpretieren). Neben ihnen geht ein Fremder, dem sie die Geschichte erzählen.
Sie merken nicht, dass es Jesus selbst ist. Das kann ich gut verstehen: Denn es
ist schon so, dass man nur erkennt, was man kennt, was in irgendeiner Weise im
Horizont der Möglichkeiten ist. Den gekreuzigten Jesus neben sich auf der
Landstraße zu sehen – das entspricht eventuell der Hoffnung der beiden, aber
offenbar nicht ihrem Erwartungshorizont. Ab Vers 27 empfinde ich Lukas
Beschreibung, wie Jesus Christus wirken kann, als schön metaphorisch. Denn
obwohl die Jünger ihn nicht erkennen, hören sie doch die Worte aus dem Alten
Testament und die, die Jesus gesagt hat, und sie fühlen sich offenbar wohl
und richtig mit seiner Gegenwart, weshalb sie ihn inständig bitten: „Bleib doch
bei uns“ (Vers 29). Nachdem sie Jesus am Brechen und Teilen des Brotes erkannten,
sprachen sie zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er
unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Vers 34) – Hier wird
Jesus als derjenige dargestellt, durch den man die Heilige Schrift erst
versteht.
Wunderbar menschlich und fast schon unterhaltsam scheint mir
der Teil, in dem Jesus versucht, die Jünger von seiner Auferstehung, von seiner
menschlichen Existenz trotz seines Todes zu überzeugen. Dass er ein Geist sein
könnte, scheinen die Jünger anzunehmen – und sich zu fürchten. Und er überzeugt
sie, keiner zu sein, indem sich anfassen lässt – er sei aus Fleisch und Blut –
und indem er etwas isst. Herrlich! Auch hier ploppen Bilder vor meinem
geistigen Auge auf, allerdings aus Gespenstergeschichten, wo Geister das genau
nicht können.
Irritiert war ich davon, dass Jesus gleich, nachdem er sich
zu erkennen gegeben hat, zum Himmel fährt. Also quasi noch Ostermontag. In
Anselm Grüns „Das große Buch der Evangelien“ las ich dann, dass Lukas selbst an
anderer Stelle schreibt, dies sei später geschehen. – Dafür danke ich ihm,
obwohl nicht gläubig. Denn der zusätzliche Feiertag aufgrund seiner Himmelfahrt
freut mich sehr.
Dieser Text ließ, genau wie der über die Kreuzigung, in mir
Filme der beschriebenen Szenen ablaufen. Ich sah Gesteinswüste, hier und da
einen verwachsenen Baum, selten eine Hütte am Wegesrand, ich sah Männer in
kuttenähnlicher Kleidung, die oft getrennt von Frauen unterwegs sind, sah
Frauen, die Kopftücher tragen; erlebte sie alle ernst und mager. Vor meiner
inneren Kamera folgten sie einem Mann, der – auch das kann ich mir gut
vorstellen – außergewöhnlich friedvoll war, der eventuell so etwas wie Wunder
tat, der sicher eine große Ausstrahlung besaß und es sich nicht leicht machte. Ich
sehe, wie erst nur eine Handvoll Freunde ihn begleiteten, wie die Gruppe um ihn
immer größer wurde. Wie sie zur Gemeinschaft wurde durch Rituale, gemeinsam
verbrachte Zeit und das, was sie für wahr halten: Der Mann sei der Messias. Eine
Gruppe, wie sie jederzeit und überall wieder entstehen kann. Und von der man
damals nicht wusste, was bis heute aus ihr wurde. Und die man, entstände sie
jetzt, vermutlich eine Sekte nennen würde.
Julia
Quelle: Einheitsübersetzung
Mittwoch, 12. April 2017
Die Passion Jesu - Markus 14 und 15
Die Passionsgeschichte, an die wir Christen in der Karwoche erinnern, ist voller menschlicher Abgründe: Verrat, Verleugnung, Angst, Macht, Anstachelung der Masse, die eine Hinrichtung fordert, Spott und schließlich der qualvolle Tod eines Unschuldigen und die Trauer seiner Hinterbliebenen.
Bilder von historisch nachgestellten Jesus-Filmen, von denen ich den ersten bereits als kleines Kind sah, vermischen sich mit Eindrücken aus den Nachrichten von heute. Oft frage ich Gott, wie Menschen anderen - zuallermeist schwächeren - Menschen maßloses Leid antun können. Ich bin bestürzt, zu welchen Gräueltaten die Menschheit auch heute noch fähig ist, gerade gegenüber Kindern, in entfernten Kriegsgebieten, aber auch ganz nah, bei uns.
Den Opfertod Jesu, der für meine Sünde stellvertretend starb, damit ich als Mensch Gott begegnen kann - das ist auch für mich als jahrelange Christin schwer zu begreifen. Aber dieses Zittern Jesu im Garten Gethsemane, als er die Einsamkeit spürt und Angst hat vor dem, was kommt (nichts Gutes!), das Verlassen-Sein von Gott am Kreuz, die Schmerzen, die Qualen und das Sterben selbst - das alles sagt mir, dass Jesus die Opfer versteht, dass er mitfühlt und mitleidet - weil er selbst ein Opfer war. Das ist ein Trost, wenn auch keine fertige Antwort auf meine Frage: Der Gottessohn kennt menschliches Leid.
Das Gefühl, aus dem der tiefe Aufschrei von Jesus rührt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15, Vers 34) - kenne ich als Christin in Ansätzen auch. Wenn mein Leben zur Last wird, wenn alles Gute verschwunden scheint, wenn mich Selbstzweifel oder Schmerzen quälen, wenn ich nicht verstehe, wie Gottes Weg mit mir weiter geht, da er so weit entfernt scheint. Aber kann ich dann auch sagen: "... nicht, was ich will, sondern, was du willst!" Markus 14, Vers 36)? Meistens nein. Welches Gottvertrauen Jesus hat, wenn er das kann!
Die Passionsgeschichte ist aber auch voller Hingabe: Das letzte Abendmahl wurde zum Zeichen auch für uns heutige Christen, dass Jesus bei uns ist. Wenn ich es mit anderen Christen feiere, ist es ein sehr wacher und starker Moment für mich - und wird bedeutungsvoller je öfter ich es tue.
Eine meiner Lieblingsstellen aus der Passionsgeschichte ist folgende: In dem Moment, in dem Jesus stirbt, zerreißt der Vorhang im Tempel - und zwar von oben nach unten (Markus 15, Vers 38). Das ist für mich eine faszinierende Beschreibung dafür, was der Tod von Jeus bedeutet. Das erschließt sich allerdings nur mit etwas Hintergrundwissen über den jüdischen Glauben: Der Tempel in Jerusalem hatte zwei Vorhänge - einen der den profanen Vorhof, den jeder betreten durfte, vom eigentlichen Tempel trennte, wo die Priester ihren Dienst verrichteten. Und einen, der wiederum das "Allerheiligste" abtrennte - den Teil, wo die Bundeslade mit den Tafeln der Zehn Gebote stand. Ins Allerheiligste durfte der Hohepriester nur ein Mal im Jahr und zwar mit einem Opferritual, bei dem u. a. der Vorhang mit Tierblut besprengt wurde. Das Allerheiligste stand für die Gegenwart Gottes und nur einem Mittler von Gottes Volk war es erlaubt, es zu betreten. Außerdem war der Vorhang mehrere Meter hoch - unwahrscheinlich, dass ihn ein Mensch von "oben an bis unten aus" zerreißen konnte. Diese Szene steht auch bei Matthäus und Lukas zentral. Sie wird damit gedeutet und später im Hebräerbrief aufgegriffen, dass Jesus als Hohepriester sich selbst opfert, damit der Weg zu Gottes Gegenwart (ins Allerheiligste) für alle Menschen gleichermaßen frei ist.
Ich gebe zu, dass es einiger Vorstellungskraft bedarf, dass für sich als Angebot Gottes zu deuten. Außerdem sind uns Opferrituale heute sehr fremd. Doch trotzdem finde ich es ein sehr starkes Bild.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Bilder von historisch nachgestellten Jesus-Filmen, von denen ich den ersten bereits als kleines Kind sah, vermischen sich mit Eindrücken aus den Nachrichten von heute. Oft frage ich Gott, wie Menschen anderen - zuallermeist schwächeren - Menschen maßloses Leid antun können. Ich bin bestürzt, zu welchen Gräueltaten die Menschheit auch heute noch fähig ist, gerade gegenüber Kindern, in entfernten Kriegsgebieten, aber auch ganz nah, bei uns.
Den Opfertod Jesu, der für meine Sünde stellvertretend starb, damit ich als Mensch Gott begegnen kann - das ist auch für mich als jahrelange Christin schwer zu begreifen. Aber dieses Zittern Jesu im Garten Gethsemane, als er die Einsamkeit spürt und Angst hat vor dem, was kommt (nichts Gutes!), das Verlassen-Sein von Gott am Kreuz, die Schmerzen, die Qualen und das Sterben selbst - das alles sagt mir, dass Jesus die Opfer versteht, dass er mitfühlt und mitleidet - weil er selbst ein Opfer war. Das ist ein Trost, wenn auch keine fertige Antwort auf meine Frage: Der Gottessohn kennt menschliches Leid.
Das Gefühl, aus dem der tiefe Aufschrei von Jesus rührt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Markus 15, Vers 34) - kenne ich als Christin in Ansätzen auch. Wenn mein Leben zur Last wird, wenn alles Gute verschwunden scheint, wenn mich Selbstzweifel oder Schmerzen quälen, wenn ich nicht verstehe, wie Gottes Weg mit mir weiter geht, da er so weit entfernt scheint. Aber kann ich dann auch sagen: "... nicht, was ich will, sondern, was du willst!" Markus 14, Vers 36)? Meistens nein. Welches Gottvertrauen Jesus hat, wenn er das kann!
Die Passionsgeschichte ist aber auch voller Hingabe: Das letzte Abendmahl wurde zum Zeichen auch für uns heutige Christen, dass Jesus bei uns ist. Wenn ich es mit anderen Christen feiere, ist es ein sehr wacher und starker Moment für mich - und wird bedeutungsvoller je öfter ich es tue.
Eine meiner Lieblingsstellen aus der Passionsgeschichte ist folgende: In dem Moment, in dem Jesus stirbt, zerreißt der Vorhang im Tempel - und zwar von oben nach unten (Markus 15, Vers 38). Das ist für mich eine faszinierende Beschreibung dafür, was der Tod von Jeus bedeutet. Das erschließt sich allerdings nur mit etwas Hintergrundwissen über den jüdischen Glauben: Der Tempel in Jerusalem hatte zwei Vorhänge - einen der den profanen Vorhof, den jeder betreten durfte, vom eigentlichen Tempel trennte, wo die Priester ihren Dienst verrichteten. Und einen, der wiederum das "Allerheiligste" abtrennte - den Teil, wo die Bundeslade mit den Tafeln der Zehn Gebote stand. Ins Allerheiligste durfte der Hohepriester nur ein Mal im Jahr und zwar mit einem Opferritual, bei dem u. a. der Vorhang mit Tierblut besprengt wurde. Das Allerheiligste stand für die Gegenwart Gottes und nur einem Mittler von Gottes Volk war es erlaubt, es zu betreten. Außerdem war der Vorhang mehrere Meter hoch - unwahrscheinlich, dass ihn ein Mensch von "oben an bis unten aus" zerreißen konnte. Diese Szene steht auch bei Matthäus und Lukas zentral. Sie wird damit gedeutet und später im Hebräerbrief aufgegriffen, dass Jesus als Hohepriester sich selbst opfert, damit der Weg zu Gottes Gegenwart (ins Allerheiligste) für alle Menschen gleichermaßen frei ist.
Ich gebe zu, dass es einiger Vorstellungskraft bedarf, dass für sich als Angebot Gottes zu deuten. Außerdem sind uns Opferrituale heute sehr fremd. Doch trotzdem finde ich es ein sehr starkes Bild.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Die Passionsgeschichte - Markus 14 und 15
Ein gut gewählter Text für Bibeleinsteiger. Mir haben die
Passagen den Unterschied zwischen zu Kultur geronnenen Bibelelementen und der
wirklichen "Heiligen Schrift" gezeigt. Wobei mich diese kulturellen Elemente auch zuvor
schon interessiert hatten. Zum Beispiel versuche ich auf Gemälden zu erkennen,
welche Heiligen oder Bibelszene dargestellt sind – doch meist weiß ich es
nicht. Ich kenne weder die Namen, noch die auf der Schrift basierenden
Attribute.
Wie anders muss das Menschen, deren Wissen jenseits der
Alltagserfahrung fast ausschließlich auf der Bibel beruhte gegangen sein. Sie
konnten mit den Bildern etwas anfangen. Sie konnten sie lesen wie ich Bücher. Und
wer selbst Künstler war, bediente sich ebenfalls dieser kraftvollen Bilder – um
sie im Sinne seines Alltags auszumalen.
Wo zeigten sich die Unterschiede zwischen meiner Annahme und
dem wirklich Geschriebenen? Bei Pilatus beispielsweise, den ich zuvor als böse
annahm, da er derjenige ist, der Jesus’ Todesurteil vollstrecken lässt. Nun
stellt sich heraus, er ist ein Menschenkenner: „Er merkte nämlich, dass die
Hohepriester nur aus Neid Jesus an ihn ausgeliefert hatten.“ (Markus 15, Vers 10)
Er lässt dem Volk die Wahl, ihn zu begnadigen, aber das lässt sich beeinflussen
durch eben jene Hohepriester. Pilatus fragt das Volk nach Gründen seiner
Forderung, Jesus zu kreuzigen: „Was hat er denn für ein Verbrechen begangen?“
(Markus 15, Vers 14) – Und das Volk antwortet nicht, sondern fordert wieder die
Kreuzigung. – Mir scheint, ein der Wirklichkeit abgeschautes Verhalten von
Reaktionen innerhalb einer Masse.
Ich hatte auch angenommen, Jesus trüge sein Kreuz selbst zur
Richtstatt. Aber hier lese ich, dass es Simon von Zyrene täte. Wobei ich nicht
weiß, ob ein anderer Evangelist die Situation anders beschrieb.
Wirklich überrascht war ich von der Erkenntnis, dass das am
Kreuz stehende „INRI“ nicht eine bloße Beschreibung ist. Ich hatte das mit
meinen Versatzstücken und unzähligen Bildern des Gekreuzigten mit dieser
Inschrift geschlussfolgert: Es steht dort, weil Jesus „König der Juden“ war. –
Aber nein: Es ist sein Schuldspruch, der Grund seiner Hinrichtung! „Und eine
Aufschrift (auf einer Tafel) gab seine Schuld an: Der König der Juden.“ (Markus
15, Vers 25)
Auch schön fand ich, vom letzten Abendmahl zu lesen. Nicht
nur, dass mir auch dazu gleich ein Bild vor Augen steht – da Vincis Abendmahl, auf dem ich außer Jesus leider wieder niemanden identifizieren kann
–, sondern auch, weil ich hier lerne, wie die Formel des geteilten Brotes als
Leib Christi und des geteilten Weins als sein Blut entstand. Da ich beim
diesmaligen Lesen auch einen Blick in Anselms Grüns „Das große Buch der
Evangelien“ warf, lernte ich, dass Markus hier die erste Beschreibung dieses
Vorgangs gibt. Dass Jesus dieses Ritual selbst in seine Anhängerschaft
einführte. Und dass das Weitergeben von Blut
im Judentum „eine personale Bedeutung“ hatte. „Blut ist Bild einer
Liebe, die sich hingibt.“ (beides: S. 283)
Etwas ratlos lässt mich die Sterbeszene. Und dass „der
Hauptmann, der Jesus gegenüberstand“ und ihn so hat sterben sehen, dass der
sagte: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ – Ich möchte keine
Kreuzigung erleben, nehme aber an, dass die Menschen am Kreuz sonst anders sterben,
so dass sein würdevoller Tod – mit einem Schrei – etwas Außergewöhnliches war.
Anselm Grün weist darauf hin, dass Jesus Ausruf „Mein Gott, warum hast du mich
verlassen?“ (Markus 15, Vers 34), den ich als sehr traurig lese, auch beinhaltet,
dass er sich in der Annahme verlassen zu sein, doch an den Vater wendet – durch
die direkte Ansprache –, wodurch er doch seinen Halt in Gott findet.
Eine der spannendsten Figuren der Bibel ist sicher Judas.
Auch sein Verrat wird ja thematisiert und erinnerte mich an ein Programm Ben
Beckers „Ich, Judas“, in dem er Judas darstellt und dessen Leid spricht –
einerseits auf Basis der Bibelstellen, andererseits mit zwei Interpretationen,
eine von Walter Jens. Die ist wirklich bemerkenswert, steht doch dort unter
anderem: Auch Judas wurde gebraucht – sonst hätte die Prophezeiung nicht wahr
werden können!
Fazit: Ein guter Text für mich als Einsteigerin,
insbesondere, um mehr über den christlichen Hintergrund des Abendlandes zu
lernen.
Julia
Quelle: Einheitsübersetzung
Dienstag, 11. April 2017
Die Passion Jesu - Markus 14 und 15
Nun habe ich diese Zeilen drei Mal gelesen und was für mich bleibt, vermischt mit dem rudimentären Wissen über das Leben und Sterben, die Bedeutung von Jesus für die Christen, das ich schon vorher hatte, ist dieses: Ein Mensch, der offenbar für seine Überzeugung von einer besseren Welt lebte und von sich selbst als der Sohn Gottes sprach, wird von den Mächtigen gefürchtet. Sie wollen ihn beseitigt haben. Einer seiner Gefolgsmänner verrät ihn für ein paar Silberlinge. Und schließlich lässt sich auch der Mob, das gemeine Volk in aller Kürze davon überzeugen, dass dieser Mann, der bis dahin vor allem durch seine Barmherzigkeit aufgefallen war, sterben muss. Und zwar auf eine der grausamsten Arten, die jene Zeit zu bieten hatte: In einer Stunden anhaltenden Qual, bei lebendigen Leibe ans Kreuz genagelt. Jesus verteidigt sich nicht, er fügt sich. Bis zum Tode wird er verspottet von dumben Exemplaren der Menschheit.
Man kann aus einigen Aspekten dieser Geschichte viel Wahres über die Vergangenheit und Gegenwart des menschlichen Zusammenlebens lesen: Davon, dass die Botschaft vom Wohl für alle nicht automatisch bei allen Entzückung hervorruft. Von der Klebrigkeit der Macht und der Angst sie zu verlieren. Vom Egoismus des Einzelnen. Von der Verführbarkeit der Masse. Das sind für mich die mahnenden, die moralisierenden Momente dieser Geschichte.
Aber die Idealisierung eines vermeintlichen Opfertodes, die Identifikation mit Leid und Folter und der Glaube, dass eben das Erlösung bringen könne, das wird mir auf immer fremd bleiben. Ein von Qualen Gezeichneter, noch hängend am Folterinstrument, soll das Symbol für eine Religion sein, die Erlösung verspricht? Furchtbar, dass Menschen einst und heute für ihre Überzeugungen leiden oder gar sterben müssen. Aber meine Lehre daraus könnte niemals sein, den Opfern für ihr Opfer zu danken. Sondern eine Idee von Miteinander zu entwickeln, in der so etwas nicht mehr passiert. Es ist nun wahrlich nicht so, dass sich die christlich geprägte Welt in den auf Jesus Tod folgenden 2.000 Jahren besonders darin hervorgetan hätte.
Aber ich will hier nicht nur die bekannten religionskritischen Phrasen wiederholen (auch wenn sie mir zum Teil noch einmal sehr nah kommen beim Lesen in der Bibel). Deshalb schließe ich mit einem sehr persönlichen Gefühl, das mich schon seit meiner Jugendzeit bei der Lektüre alter Schriften begleitet: Das Erstaunen darüber, dass es schon seit Jahrtausenden alle Klugheit und alle Dummheit auf der Erde gibt. Und dass sich daran, jenseits der Einflüsse der Technik und universelleren Verfügbarkeit von Wissen, nicht viel geändert hat. Was sagt das aus über unsere Fähigkeit zur Erkenntnis? Und was über die Bedeutung von Religionen und anderen „Erkenntisschulen“?
Manu
Quelle: Luther-Übersetzung 1984
Dienstag, 4. April 2017
Die Schöpfungsgeschichte, 1. Mose 1,1 - 1. Mose 2, 4
Ich beginne am Anfang. Das hatte ich auch vor einigen Jahren getan,
als ich mir vornahm, „die Bibel“ zu lesen – ein Exemplar in braunem
Kunstleder, mit Goldschnitt, das ich einst meiner Mutter schenkte und
das dann doch in meinem Hausstand landete. Nun nehme ich es wieder zur
Hand mit der Idee, dieses Mal etwas länger durchzuhalten als das Erste
Buch Mose. Neun Wochen also, mit Ruth als Dramaturgin dieser Bibelreise.
Ich erinnere mich gut an das Staunen, das ich damals beim ersten
Lesen der Schöpfungsgeschichte empfand. In meiner atheistischen
Vorstellung hätte das ein Roman von ein paar hundert Seiten sein sollen.
Eine klassische Geschichte vom Werden, deren Spannungsbogen durch
Wortreichtum, detailreiche Naturschilderungen (es läuft schließlich aufs
Paradies hinaus) und allerlei verzwickte Wendungen gespannt bleibt.
Stattdessen eine Hymne auf nicht einmal zwei Seiten, die doch den
Zündstoff für den einst erbittert geführten Kampf zwischen
Naturwissenschaftlern und der Kirche liefert. Und der noch heute die
Kinder von Kreationisten vom modernen Biologie- und Erdkundeunterricht
fernhält.
Aber zunächst zum Text: Die Bibel sagt: Am Anfang war Gott und
schuf Himmel und Erde. Über einer zunächst wüsten, leeren und finsteren
Welt schwebte sein Geist. Ich mag das nicht wörtlich nehmen, sondern als
Ausdruck der Grenze unseres Begreifens. Irgendetwas oder Irgendwer muss
doch am Anfang gewesen sein. Es ist die Frage nach dem Anfang selbst,
die dem innewohnt. In einer Welt, die wir stofflich begreifen, muss da
nicht jemand den Stoff gewebt haben? Es ist die Urfrage, in der man sich
aufs Unheilvollste verlieren kann und die die Frage nach dem Sinn schon
mit anlegt. Die Idee eines Schöpfergottes mag dafür sorgen, dass die,
die glauben, sich nicht verlieren. Er ist der Anfang von allem und hat
zugleich keinen, weil er überirdisch ist und sich damit per se dem
Begreifen entzieht.
Die Naturwissenschaft sagt freilich anderes. Aber ehrlich: Ich
ermüde schon bei dem Gedanken daran, verstehen zu wollen, was Stephen
Hawking uns über den Anfang unseres Universums und unserer Welt darin
erklärt. Darüber, dass es entgegen unserer Alltagslogik womöglich gar
keinen Anfang gab und damit auch keinen Raum für einen Schöpfer.
Insofern kann ich nachvollziehen, dass sich die Religionen diese Welt
mit Schöpfungsgeschichten erklären. Für mich gibt es da keine spürbare
Wahrheit. Tatsächlich kann ich das eine so wenig fassen wie das andere.
Und so bleibt für mich, die ich weder glaube noch begreife, die Frage
nach dem Anfang tatsächlich eine Frage, in der ich mich verlieren kann.
Was mir noch aus diesen ersten Zeilen der Bibel im Gedächtnis
bleibt? Auf jeden Fall die aus feministischer Sicht deutlich
annehmbarere Vorstellung, Mann und Frau seien gleichermaßen und
gleichberechtigt als Menschen „gemacht“. Und nicht etwa die Frau nur als
Gehilfin für den (männlichen) Menschen aus eben diesem „gebaut“, wie es
in der unmittelbar anschließenden zweiten Schöpfungsgeschichte erzählt
wird. Und dann noch das aus ökologischer Sicht kaum annehmbare
Naturverständnis, nach dem der Mensch sich die Welt, die Tiere, die
Pflanzen untertan macht. Mir klingt das eher nach Dystopie denn nach
Paradies. Bedauerlicherweise ist es aber nicht weit von der heutigen
Wirklichkeit entfernt und ich frage mich, ob – sowohl bei der
vermeintlichen Herrschaft des Mannes über die Frau als auch des Menschen
über die Natur – die Bibel Ursprung oder schon Abbild
gesellschaftlicher Entwicklungen war.
Manu
Quelle: Lutherbibel 1984
Die Schöpfungsgeschichte, 1. Mose 1,1 - 1. Mose 2, 4
Ich nehme die Schöpfungsgeschichte wörtlich - und streite mich deswegen öfter mal mit meinem Mann, dem Naturwissenschaftler. Im Laufe der Jahre hat sich das Wörtlich-Nehmen allerdings verändert: Als Kind habe ich tatsächlich angenommen, die Welt sei in sechs Tagen erschaffen worden. Doch eigentlich kam es mir nie auf Spitzfindigkeiten oder Beweise an, wie genau die Welt nun entstanden ist. Ich glaube an Gott und daran, dass er Dinge erschaffen kann. Er spricht und es ist da! Wie das genau geschieht - über Jahrtausende oder nicht - kann ich kleiner Mensch sowieso nicht erklären.
Was für ein Wunder das Leben ist, wie ausgeklügelt menschliches Leben entsteht - von zwei Zellen hin zu einem wunderbaren Menschen, der einen eigenen Willen besitzt und selbst kreativ ist, Worte, Gedanken oder Dinge erschaffen kann - davon kann ich als Mutter nur schwärmen! Gerade trage ich wieder ein Kind unter meinem Herzen und erlebe neu, was das heißt. Was für ein ausbalanciertes System: Wie das Kind im Mutterleib versorgt wird und heranwachsen kann! Für mich kann das alles nicht zufällig entstanden sein. In sofern nehme ich Gottes Schöpfung wörtlich, denn ich glaube an ihn als Grund allen Lebens.
Der erste Satz der Bibel zeigt das passenderweise und ist doch erstaunlich knapp: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Hier wird nichts in Frage gestellt. Gott ist einfach da, bevor etwas anderes wurde. Er hat alles gemacht, was wir begreifen können. Es ist die Frage nach der Entstehung von Raum und Zeit. Mein Leben mit Gott gibt mir wie dieser Satz die unerschütterliche Überzeugung, dass Gott über Raum und Zeit steht. Dass er den Anfang bestimmt hat - mit der Welt, mit der Menschheit und auch mit mir. Auch wenn ich Glaubenszweifel kenne und Vieles hinterfrage, das habe ich noch nie in Frage gestellt.
Ein paar weitere wichtige Gedanken nehme ich aus dieser ersten Schöpfungsgeschichte mit (denn es stehen zwei in der Bibel direkt hintereinander - von daher kann man davon ausgehen, dass es die eine Wahrheit, wie denn nun alles genau zugegangen ist, eben nicht gibt):
Die Erschaffung des Menschen ist der Höhepunkt der Geschichte. Gott sagt: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei..." (Vers 26). Hier spricht Gott - im christlichen Verständnis - als Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Geist (vgl. mein Post von letzter Woche). Aber was für eine umwerfende Aussage: Der Mensch ist ein Bild Gottes! Und zwar nicht nur des Vaters oder des Sohnes, sondern auch des Heiligen Geistes. Im Hebräischen ist der Heilige Geist weiblich. Seine (ihre) Eigenschaften kommen oft sehr mütterlich her, als Tröster(in) etwa oder als jemand, der (die) uns bezeugt, wie Gott ist. Ich ziehe da auch eine mutige Verbindung zu weiblicher Intuition!
Noch konkreter wird aber Vers 27, den ich in mehrfacher Hinsicht liebe: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau." Hier steht am Anfang der Bibel, dass wir Menschen beiderlei Geschlechts Gottes Ebenbild sind! Das heißt, wir sind Gott-ähnlich, tragen etwas von seinem Wesen in uns. Ich glaube auch, dass wir in der Ergänzung von Männern und Frauen erst das volle Bild Gottes widergeben. Dazu muss man nicht zwangsläufig ein Paar sein. Aber wir sollten um diese Ergänzung wissen, die das andere Geschlecht in sich trägt. Dieser Satz der Bibel prägt mein Verständnis der Geschlechter grundlegend: Wir sind gleichwertig als Mann und Frau - kein Geschlecht wird bevorzugt genannt. (Und leider haben oder hatten manche Christen mit dieser Gleichwertigkeit von Mann und Frau ein Problem.) Aber wir sind auch verschieden und aufeinander angewiesen. Dazu gehört auch die Fortpflanzung, die im nächsten Vers als Segen Gottes über die Menschen gesprochen wird: "Seid fruchtbar und mehret euch füllet die Erde und machet sie euch untertan..."
Mich begeistert aber auch Vers 31, in dem Gott alles anschaut, was er geschaffen hat und es für "sehr gut" befindet. Wohlgemerkt, bevor der Mensch ins Spiel kommt, ist alles nur "gut". Das ist für mich dann eine Ermutigung, wenn ich mich selbst unzulänglich finde (oder andere). Ich kann das nämlich auch personalisieren: Gott hat mich geschaffen und schaut mich an und findet mich sehr gut gelungen! (Und den anderen auch.)
In den letzten Wochen begleitete mich ein Gebet von dem katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini. Darin heißt es:
"Lehre mich,
in der Stille deiner Gegenwart
das Geheimnis zu verstehen,
das ich bin.
Ich bin durch dich
und von dir
und für dich."
Das fasst doch gut zusammen, wie wörtlich ich die Schöpfungsgeschichte nehme. Gott ist der Grund für mein Sein: Er war zuerst da, von ihm komme ich. Er hat mich erschaffen, durch ihn und seine Schöpfung konnte ich werden. Und er hat mich zu seinem Bild gemacht, weil er es so wollte.
RuthRoyal
Quelle:Lutherbibel 2017
Was für ein Wunder das Leben ist, wie ausgeklügelt menschliches Leben entsteht - von zwei Zellen hin zu einem wunderbaren Menschen, der einen eigenen Willen besitzt und selbst kreativ ist, Worte, Gedanken oder Dinge erschaffen kann - davon kann ich als Mutter nur schwärmen! Gerade trage ich wieder ein Kind unter meinem Herzen und erlebe neu, was das heißt. Was für ein ausbalanciertes System: Wie das Kind im Mutterleib versorgt wird und heranwachsen kann! Für mich kann das alles nicht zufällig entstanden sein. In sofern nehme ich Gottes Schöpfung wörtlich, denn ich glaube an ihn als Grund allen Lebens.
Der erste Satz der Bibel zeigt das passenderweise und ist doch erstaunlich knapp: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Hier wird nichts in Frage gestellt. Gott ist einfach da, bevor etwas anderes wurde. Er hat alles gemacht, was wir begreifen können. Es ist die Frage nach der Entstehung von Raum und Zeit. Mein Leben mit Gott gibt mir wie dieser Satz die unerschütterliche Überzeugung, dass Gott über Raum und Zeit steht. Dass er den Anfang bestimmt hat - mit der Welt, mit der Menschheit und auch mit mir. Auch wenn ich Glaubenszweifel kenne und Vieles hinterfrage, das habe ich noch nie in Frage gestellt.
Ein paar weitere wichtige Gedanken nehme ich aus dieser ersten Schöpfungsgeschichte mit (denn es stehen zwei in der Bibel direkt hintereinander - von daher kann man davon ausgehen, dass es die eine Wahrheit, wie denn nun alles genau zugegangen ist, eben nicht gibt):
Die Erschaffung des Menschen ist der Höhepunkt der Geschichte. Gott sagt: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei..." (Vers 26). Hier spricht Gott - im christlichen Verständnis - als Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Geist (vgl. mein Post von letzter Woche). Aber was für eine umwerfende Aussage: Der Mensch ist ein Bild Gottes! Und zwar nicht nur des Vaters oder des Sohnes, sondern auch des Heiligen Geistes. Im Hebräischen ist der Heilige Geist weiblich. Seine (ihre) Eigenschaften kommen oft sehr mütterlich her, als Tröster(in) etwa oder als jemand, der (die) uns bezeugt, wie Gott ist. Ich ziehe da auch eine mutige Verbindung zu weiblicher Intuition!
Noch konkreter wird aber Vers 27, den ich in mehrfacher Hinsicht liebe: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau." Hier steht am Anfang der Bibel, dass wir Menschen beiderlei Geschlechts Gottes Ebenbild sind! Das heißt, wir sind Gott-ähnlich, tragen etwas von seinem Wesen in uns. Ich glaube auch, dass wir in der Ergänzung von Männern und Frauen erst das volle Bild Gottes widergeben. Dazu muss man nicht zwangsläufig ein Paar sein. Aber wir sollten um diese Ergänzung wissen, die das andere Geschlecht in sich trägt. Dieser Satz der Bibel prägt mein Verständnis der Geschlechter grundlegend: Wir sind gleichwertig als Mann und Frau - kein Geschlecht wird bevorzugt genannt. (Und leider haben oder hatten manche Christen mit dieser Gleichwertigkeit von Mann und Frau ein Problem.) Aber wir sind auch verschieden und aufeinander angewiesen. Dazu gehört auch die Fortpflanzung, die im nächsten Vers als Segen Gottes über die Menschen gesprochen wird: "Seid fruchtbar und mehret euch füllet die Erde und machet sie euch untertan..."
Mich begeistert aber auch Vers 31, in dem Gott alles anschaut, was er geschaffen hat und es für "sehr gut" befindet. Wohlgemerkt, bevor der Mensch ins Spiel kommt, ist alles nur "gut". Das ist für mich dann eine Ermutigung, wenn ich mich selbst unzulänglich finde (oder andere). Ich kann das nämlich auch personalisieren: Gott hat mich geschaffen und schaut mich an und findet mich sehr gut gelungen! (Und den anderen auch.)
In den letzten Wochen begleitete mich ein Gebet von dem katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini. Darin heißt es:
"Lehre mich,
in der Stille deiner Gegenwart
das Geheimnis zu verstehen,
das ich bin.
Ich bin durch dich
und von dir
und für dich."
Das fasst doch gut zusammen, wie wörtlich ich die Schöpfungsgeschichte nehme. Gott ist der Grund für mein Sein: Er war zuerst da, von ihm komme ich. Er hat mich erschaffen, durch ihn und seine Schöpfung konnte ich werden. Und er hat mich zu seinem Bild gemacht, weil er es so wollte.
RuthRoyal
Quelle:Lutherbibel 2017
Die Schöpfungsgeschichte: 1. Mose 1, 1 - 1. Mose 2, 4
„Wenn Dreiecke sich einen Gott bilden würden, dann würden
sie ihm drei Seiten geben.“ So – ketzerisch? – sagte es Montesquieu. Und an
diesen Aphorismus erinnerte ich mich beim Lesen des Textes. Denn in der
Schöpfungsgeschichte im ersten Buch Mose formt ein Wesen, das einem Menschen
gleicht, aber perfekt und allmächtig ist, eben jene Menschen, die genau
aussehen wie er. Nun sehe ich zwar die Unterschiede: Montesquieus herausfordernde
Wahl, abstrakte, leblose Gegenstände für sein Gedankenspiel zu wählen. Ich sehe
auch, dass Religionen nicht im luftleeren Raum quasi aus dem Nichts entstehen wie
bei seiner Annahme, sondern dass sie eingebettet sind in eine Kultur,
beeinflusst von Vorgängern, Gehörtem, Erwünschtem, dem jeweiligen Zeitgeist.
Und genau so betrachte ich diesen Abschnitt der Bibel.
Für mich ist der christliche Schöpfungsmythos eben das: ein
Mythos. Etwas, das sich jemand – oder mehrere Personen, vielleicht auch über
viele Generationen und aus verschiedenen Quellen stammend – vor tausenden
Jahren überlegte, um die Entstehung der Welt zu erklären. Es mag dereinst einen
Anspruch gehabt haben, wahr zu sein. Mittlerweile weiß man, so entstand weder
die Welt, noch die Natur oder der Mensch.
Als ich anfing diese Verse zu lesen, überlegte ich, ob die
Abfolge der Tätigkeiten über die sechs Arbeitstage der wissenschaftlich
belegten Entwicklung der Erde entspricht – aber das tun sie nicht. Lediglich im
Punkt, dass der Mensch das (bisherige) Ende der Entwicklung – in den Versen:
Höhepunkt von Gottes Werk – ist, sind Wissenschaft und dieser Schöpfungsmythos einander
ähnlich.
Wie viel Wirklichkeit steckt in diesem Mythos? Wie halten es
Christen mit diesem Text? Ich habe mich schon ein paar Mal darüber mit
Gläubigen unterhalten, denn mich interessierte, ob sie als rationale Menschen
unserer Zeit diesen Text für bare Münze nehmen. Die Antwort war entweder ein
entschuldigendes Nein oder, dass sie Gottes Wirken im noch nicht restlos aufgeklärten
Teil der Weltentstehung und Tierentwicklung zum Homo sapiens sahen.
Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der Text dort, wo
er nicht versucht, heute wissenschaftlich erforschte Phänomene zu erklären,
eine beruhigende Wirkung auf christliche Leser hat.
Zum Beispiel der dem Mythos zugrunde liegende Gedanke, dass
alles direkt von Gottes Hand erschaffen wurde, er sich um alles gekümmert hat.
Wie wir es vorfinden, so hat er es gefügt, so ist es richtig. Das meint
ausdrücklich auch: Der Mensch darf über die Tiere bestimmen. (1. Mose 1, Vers 26) Und
ebenso: Gott hat sich einen freien Tag verdient (1. Mose 2, Verse 1-3). Ich
schlussfolgere: Der Mensch also auch. – Das ist auch für mich, die ich schon mal über meine Kräfte arbeite, ein schöner Gedanke.
Mein Fazit dennoch: Dieser Text ließ mich nicht grübeln, er
forderte mich nicht heraus – er sprach mich allerdings auch fast gar nicht an.
Julia
Quelle: Lutherbibel 1984
Die dritte Sicht
Vor einer Woche ging unser Blog online und nun gibt es schon die erste Veränderung: Wir sind inzwischen drei Autorinnen. Alle drei studierten wir zusammen Journalistik. Nun arbeiten wir in Erfurt, Leipzig und Berlin, aber kritisches Denken und das Schreiben verbindet uns weiterhin - neben unserer Freundschaft.
Immer noch sind es haupsächlich zwei Sichtweisen auf die Bibel, die wir vertreten: die der Leserin mit beträchtlichem Vorwissen und christlicher Überzeugung und die der zwei Neulinge, die sich erst heranwagen an den religiösen Lesestoff. Natürlich wirken die Bibeltexte auch auf Erstleser völlig verschieden. Umso reicher wird unser Blog dadurch.
Viel Spaß beim Lesen!
RuthRoyal, Julia und Manu
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