Dienstag, 4. April 2017

Die Schöpfungsgeschichte: 1. Mose 1, 1 - 1. Mose 2, 4

„Wenn Dreiecke sich einen Gott bilden würden, dann würden sie ihm drei Seiten geben.“ So – ketzerisch? – sagte es Montesquieu. Und an diesen Aphorismus erinnerte ich mich beim Lesen des Textes. Denn in der Schöpfungsgeschichte im ersten Buch Mose formt ein Wesen, das einem Menschen gleicht, aber perfekt und allmächtig ist, eben jene Menschen, die genau aussehen wie er. Nun sehe ich zwar die Unterschiede: Montesquieus herausfordernde Wahl, abstrakte, leblose Gegenstände für sein Gedankenspiel zu wählen. Ich sehe auch, dass Religionen nicht im luftleeren Raum quasi aus dem Nichts entstehen wie bei seiner Annahme, sondern dass sie eingebettet sind in eine Kultur, beeinflusst von Vorgängern, Gehörtem, Erwünschtem, dem jeweiligen Zeitgeist. Und genau so betrachte ich diesen Abschnitt der Bibel.
Für mich ist der christliche Schöpfungsmythos eben das: ein Mythos. Etwas, das sich jemand – oder mehrere Personen, vielleicht auch über viele Generationen und aus verschiedenen Quellen stammend – vor tausenden Jahren überlegte, um die Entstehung der Welt zu erklären. Es mag dereinst einen Anspruch gehabt haben, wahr zu sein. Mittlerweile weiß man, so entstand weder die Welt, noch die Natur oder der Mensch.
Als ich anfing diese Verse zu lesen, überlegte ich, ob die Abfolge der Tätigkeiten über die sechs Arbeitstage der wissenschaftlich belegten Entwicklung der Erde entspricht – aber das tun sie nicht. Lediglich im Punkt, dass der Mensch das (bisherige) Ende der Entwicklung – in den Versen: Höhepunkt von Gottes Werk – ist, sind Wissenschaft und dieser Schöpfungsmythos einander ähnlich.
Wie viel Wirklichkeit steckt in diesem Mythos? Wie halten es Christen mit diesem Text? Ich habe mich schon ein paar Mal darüber mit Gläubigen unterhalten, denn mich interessierte, ob sie als rationale Menschen unserer Zeit diesen Text für bare Münze nehmen. Die Antwort war entweder ein entschuldigendes Nein oder, dass sie Gottes Wirken im noch nicht restlos aufgeklärten Teil der Weltentstehung und Tierentwicklung zum Homo sapiens sahen.
Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der Text dort, wo er nicht versucht, heute wissenschaftlich erforschte Phänomene zu erklären, eine beruhigende Wirkung auf christliche Leser hat.
Zum Beispiel der dem Mythos zugrunde liegende Gedanke, dass alles direkt von Gottes Hand erschaffen wurde, er sich um alles gekümmert hat. Wie wir es vorfinden, so hat er es gefügt, so ist es richtig. Das meint ausdrücklich auch: Der Mensch darf über die Tiere bestimmen. (1. Mose 1, Vers 26) Und ebenso: Gott hat sich einen freien Tag verdient (1. Mose 2, Verse 1-3). Ich schlussfolgere: Der Mensch also auch. – Das ist auch für mich, die ich schon mal über meine Kräfte arbeite, ein schöner Gedanke.

Mein Fazit dennoch: Dieser Text ließ mich nicht grübeln, er forderte mich nicht heraus – er sprach mich allerdings auch fast gar nicht an.

Julia

Quelle: Lutherbibel 1984

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