Dienstag, 4. April 2017

Die Schöpfungsgeschichte, 1. Mose 1,1 - 1. Mose 2, 4

Ich nehme die Schöpfungsgeschichte wörtlich - und streite mich deswegen öfter mal mit meinem Mann, dem Naturwissenschaftler. Im Laufe der Jahre hat sich das Wörtlich-Nehmen allerdings verändert: Als Kind habe ich tatsächlich angenommen, die Welt sei in sechs Tagen erschaffen worden. Doch eigentlich kam es mir nie auf Spitzfindigkeiten oder Beweise an, wie genau die Welt nun entstanden ist. Ich glaube an Gott und daran, dass er Dinge erschaffen kann. Er spricht und es ist da! Wie das genau geschieht - über Jahrtausende oder nicht - kann ich kleiner Mensch sowieso nicht erklären.
Was für ein Wunder das Leben ist, wie ausgeklügelt menschliches Leben entsteht - von zwei Zellen hin zu einem wunderbaren Menschen, der einen eigenen Willen besitzt und selbst kreativ ist, Worte, Gedanken oder Dinge erschaffen kann - davon kann ich als Mutter nur schwärmen! Gerade trage ich wieder ein Kind unter meinem Herzen und erlebe neu, was das heißt. Was für ein ausbalanciertes System: Wie das Kind im Mutterleib versorgt wird und heranwachsen kann! Für mich kann das alles nicht zufällig entstanden sein. In sofern nehme ich Gottes Schöpfung wörtlich, denn ich glaube an ihn als Grund allen Lebens.
Der erste Satz der Bibel zeigt das passenderweise und ist doch erstaunlich knapp: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Hier wird nichts in Frage gestellt. Gott ist einfach da, bevor etwas anderes wurde. Er hat alles gemacht, was wir begreifen können. Es ist die Frage nach der Entstehung von Raum und Zeit. Mein Leben mit Gott gibt mir wie dieser Satz die unerschütterliche Überzeugung, dass Gott über Raum und Zeit steht. Dass er den Anfang bestimmt hat - mit der Welt, mit der Menschheit und auch mit mir. Auch wenn ich Glaubenszweifel kenne und Vieles hinterfrage, das habe ich noch nie in Frage gestellt.
Ein paar weitere wichtige Gedanken nehme ich aus dieser ersten Schöpfungsgeschichte mit (denn es stehen zwei in der Bibel direkt hintereinander - von daher kann man davon ausgehen, dass es die eine Wahrheit, wie denn nun alles genau zugegangen ist, eben nicht gibt):
Die Erschaffung des Menschen ist der Höhepunkt der Geschichte. Gott sagt: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei..." (Vers 26). Hier spricht Gott  - im christlichen Verständnis - als Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Geist (vgl. mein Post von letzter Woche). Aber was für eine umwerfende Aussage: Der Mensch ist ein Bild Gottes! Und zwar nicht nur des Vaters oder des Sohnes, sondern auch des Heiligen Geistes. Im Hebräischen ist der Heilige Geist weiblich. Seine (ihre) Eigenschaften kommen oft sehr mütterlich her, als Tröster(in) etwa oder als jemand, der (die) uns bezeugt, wie Gott ist. Ich ziehe da auch eine mutige Verbindung zu weiblicher Intuition!
Noch konkreter wird aber Vers 27, den ich in mehrfacher Hinsicht liebe: "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau." Hier steht am Anfang der Bibel, dass wir Menschen beiderlei Geschlechts Gottes Ebenbild sind! Das heißt, wir sind Gott-ähnlich, tragen etwas von seinem Wesen in uns. Ich glaube auch, dass wir in der Ergänzung von Männern und Frauen erst das volle Bild Gottes widergeben. Dazu muss man nicht zwangsläufig ein Paar sein. Aber wir sollten um diese Ergänzung wissen, die das andere Geschlecht in sich trägt. Dieser Satz der Bibel prägt mein Verständnis der Geschlechter grundlegend: Wir sind gleichwertig als Mann und Frau - kein Geschlecht wird bevorzugt genannt. (Und leider haben oder hatten manche Christen mit dieser Gleichwertigkeit von Mann und Frau ein Problem.) Aber wir sind auch verschieden und aufeinander angewiesen. Dazu gehört auch die Fortpflanzung, die im nächsten Vers als Segen Gottes über die Menschen gesprochen wird: "Seid fruchtbar und mehret euch füllet die Erde und machet sie euch untertan..."
Mich begeistert aber auch Vers 31, in dem Gott alles anschaut, was er geschaffen hat und es für "sehr gut" befindet. Wohlgemerkt, bevor der Mensch ins Spiel kommt, ist alles nur "gut". Das ist für mich dann eine Ermutigung, wenn ich mich selbst unzulänglich finde (oder andere). Ich kann das nämlich auch personalisieren: Gott hat mich geschaffen und schaut mich an und findet mich sehr gut gelungen! (Und den anderen auch.)
In den letzten Wochen begleitete mich ein Gebet von dem katholischen Religionsphilosophen Romano Guardini. Darin heißt es:

"Lehre mich,
in der Stille deiner Gegenwart
das Geheimnis zu verstehen,
das ich bin.
Ich bin durch dich
und von dir
und für dich."

Das fasst doch gut zusammen, wie wörtlich ich die Schöpfungsgeschichte nehme. Gott ist der Grund für mein Sein: Er war zuerst da, von ihm komme ich. Er hat mich erschaffen, durch ihn und seine Schöpfung konnte ich werden. Und er hat mich zu seinem Bild gemacht, weil er es so wollte.

RuthRoyal

Quelle:Lutherbibel 2017

1 Kommentar:

  1. Liebe Ruth,

    hier zeigt sich wieder Dein wertvolles biblisches Hintergrundwissen. Sehr interessant die Passage über den heiligen Geist im Hebräischen - und die ermutigende Schlussfolgerung daraus. Wobei ich das gar nicht nur auf weibliche Intuition beziehe, sondern mich einfach freue, dass ein Teil der Dreifaltigkeit eben weiblich ist.

    Interessant auch, dass sowohl Du als auch Manuela die Gleichwertigkeit von Frau und Mann aus der Schöpfungsgeschichte gezogen habt. Das hatte ich gar nicht so gelesen, finde es aber erfreulich.

    Liebe Grüße
    Julia

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