Die Apostelgeschichte - das lerne ich neu bei meiner Recherche - stammt vermutlich wie das Lukasevangelium von Lukas dem Arzt. Er soll einer der frühesten "Heidenchristen" gewesen sein (ein Nicht-Jude also, der durch die Ereignisse, die in der Apostelgeschichte beschreibt, Christ geworden ist). Er stammte wohl aus Antiochia in Syrien, war selbst aber Grieche. Das wiederum erinnert mich an die alte christliche Tradition, die es im Nahen Osten gibt, auch in Syrien, von der jetzt so viel zerstört wird.
Zurück aber zum Thema: Paulus war ein Freund des Lukas und neben Lukas' eigenen Erfahrungen, die er als Reisebericht niedergeschrieben hat, wohl eine der wichtigsten Quellen über das Geschehene, wobei Lukas umfangreich recherchiert hat. Über Lukas lese ich außerdem, dass er historisch sehr genau arbeitet und etwa die Namen und Titel römischer Statthalter präzise nennt, wodurch seine zwei Werke (das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte) historisch sehr glaubwürdig und genau sind.
In der Apostelgeschichte wird die Ausbreitung des Evangeliums (also der Guten Nachricht über Jesus) von Jerusalem nach Rom beschrieben. Die Wunder, die darin vorkommen, sollen deutlich machen, dass eine neue Zeit angebrochen ist und dass diese Macht, die Jesus hatte, an seine Jünger und Anhänger weitergab. Folglich beginnt die Erzählung mit der Himmelfahrt Christi.
Bevor Jesus "vor ihren Augen emporgehoben" wird und in einer Wolke verschwindet (auch im Alten Testament verbarg sich die Herrlichkeit Gottes in einer Wolke), kündigt er an, dass seine Jünger "mit dem Heiligen Geist getauft" werden (Apg. 1, Vers 5), sie "die Kraft des Heiligen Geistes empfangen" und seine "Zeugen" sein werden -. von Jerusalem über ganz Judäa und Samarien "bis an das Ende der Erde" (Vers 8).
An dieses von Jesus selbst angekündigte Pfingstwunder erinnern wir uns diese Woche. Selbst mir als Christ fällt es allerdings schwer, das damals Geschehene zu begreifen und für mich einzuordnen. Julia weist bereits darauf hin, dass - als es soweit ist - ein Tosen bzw. ein "Brausen" zu hören ist, "wie von einem gewaltigen Sturm" (Apg. 2, Vers 2). Vor gerade vier Stunden haben wir hier einen gewaltigen Sturm und Wolkenbruch erlebt, bei dem sogar Glasscheiben zu Bruch gegangen sind! Also eher etwas Furchteinflößendes... Allerdings war ich vorletzten Sonntag bei einen schönen Familiengottesdienst zum Thema Pfingsten, wo positive Auswirkungen des Windes vor unseren Augen demonstriert wurden: Wie Pusteblumen davon fliegen oder Federn leicht im Wind daher treiben, wie ein Schiffchen im Wasser durch den Wind vorankommt oder eine Wunde plötzlich nicht mehr so weh tut, wenn Mutti pustet.
Bei den Feuerzungen auf den Köpfen der Jünger steigt allerdings meine Vorstellungskraft aus. Wiederum ist das Predigen in zuvor fremden Sprachen - so dass auch die Juden, die aus anderen Ländern angereist waren, alles verstehen - doch eine sehr anschauliche Beschreibung, wie es ist, wenn man vom Heiligen Geist erfüllt ist. Ich begreife für mich den "Heiligen Geist" letztlich als Gottes Kraft in mir, seine gute Stimme, die zu mir redet, mir die richtigen Gedanken und auch Worte für andere gibt, wenn ich genau hinhöre. Ich habe bereits auf die mögliche weibliche Interpretation des Heiligen Geistes verwiesen, denn im Hebräischen handelt es sich um ein weibliches Wort, somit könnte der Heilige Geist in der Dreieinigkeit Gottes als eine mütterliche Kraft neben dem Vater und dem Sohn gesehen werden.
Ab Vers 14 ist die erste Predigt des Petrus wieder gegeben. Es fällt auf, dass er vor allem durch Verweise auf die Heilige Schrift der Juden (Altes Testament) die Zuhörer gewinnt, die allesamt Juden aus der Diaspora waren, die sich zum Pfingstfest (50 Tage nach Pessach) in Jerusalem versammelt hatten. Ab Vers 37 wird beschrieben, wie sie auf die Predigt reagieren und Reue zeigen dafür, dass Jesus von den Juden hingerichtet wurde. Petrus' Antwort: "Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes" (Vers 38). Das heißt, dass jeder Christ, der an Jesus glaubt und sich von ihm seine Sünden vergeben lassen will - und als Zeichen dafür mit Wasser getauft wird, auch den Heiligen Geist empfängt. Das spricht für die Annahme, dass ab diesem Zeitpunkt Gottes Kraft nicht mehr nur außerhalb von mir zu finden ist, sondern auch in mir wohnt.
Es folgt eine Beschreibung der ersten christlichen Gemeinde. Sie ist ein wunderbarer Traum von friedlichem Zusammenleben, wie ihn seitdem Viele geträumt haben, einschließlich glühender Kommunisten und bekiffter Hippies: "Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander (...) hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim Volk." (Verse 44 - 47) Und es schließen sich täglich neue Christen dieser Gemeinschaft an.
Gemeinschaft mit anderen Christen ist bis heute ein wichtiger Pfeiler des Christlichen Glaubens. Nur wenige schaffen so eine ideale Gemeinschaft wie die ersten Christen - aber Klöster oder klosterähnliche Gemeinschaften, die bis heute auch neu gegründet werden, knüpfen an diesen Traum an. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Gemeinden, in denen ich eine enge Gemeinschaft erlebt habe (wie bei den Jesus Freaks) auch meinen Glauben bestärkt haben. Klösterliches Leben fasziniert mich ebenfalls.
Klar ist, dass wir Gott allein aus uns heraus nicht verstehen können, die Erfahrungen und Erklärungen von anderen bereichern und korrigieren uns auch. Das Teilen von Hab und Gut spiegelt sich bis heute im "freudigen Geben", z. B. während der Kollekte im Gottesdienst. (Der bürokratisch geregelte Einzug der Kirchensteuer ist dagegen etwas unromantisch, sollte letztlich aber auch dazu zählen. Die Frage ist, ob die inzwischen auch bürokratisch geregelten Kirchen in Deutschland dieses Geld auch sinnvoll einsetzen. In der Finanzierung von Diakonie oder Caritas sehe ich das jedenfalls so.)
Die ersten zwei Kapitel der Apostelgeschichte geben also einen guten Ausblick auf das, was Jesu Leben auf Erden bewirkte und was Gott weiter daraus machte. Ein schöner Schlußpunkt für unser Zehn-Wochen-Projekt, bei dem wir Vieles sehr kurz, aber doch vielleicht das Wichtigste aus der Bibel betrachtet haben. Ich hoffe, es hat zum Selbstlesen und Weiterlesen angeregt.
RuthRoyal
Quellen: Lutherbibel 2017 und Kommentar zur Bibel (von Guthrie, Motyer, R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1980)
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