Dienstag, 30. Mai 2017

Apostelgeschichte, Kapitel 1 und 2

Dieser Teil der Apostelgeschichte ist ein geeigneter Abschnitt, um unser kleines, hiermit zu Ende gehende Projekt zu beschließen, beinhaltet er doch etwas von allem, was mir bei der Bibellektüre auffiel und wichtig wurde. Sechs Punkte will ich nennen. 
Der erste ist, dass mir Woche für Woche auffiel, wie viel Wissen mir fehlt, weil ich die Bibel nicht kenne. Beispiel: Ich hatte aus dem Ethikunterricht noch im Ohr, dass zwischen Ostern und Himmelfahrt 40 Tage liegen, hier erfuhr ich (wieder?), weshalb: „... und er (Jesus) ließ sich sehen unter ihnen (den Aposteln) vierzig Tage lang ...“ (Apostelgeschichte 1, Vers 3).
Der zweite Punkt betrifft den Inhalt des Gelesenen. Er ist in den zehn gewählten Ausschnitten sehr unterschiedlich gewesen, hat aber immer mindestens einen dieser Aspekte getroffen: spannende Geschichte zu sein, theologische oder religionsgeschichtlich etwas zu erklären, er zeigte mir bekannte Sprichwörter, Ausdrücke, Bilder oder erfreuliche Neologismen. Außerdem bot die Lektüre immer wieder Möglichkeiten, über das reine Bibelwort hinaus zu lesen und zu recherchieren. Vieles davon fand sich auch in unserem Abschnitt der Apostelgeschichte. So las er sich wie eine spannende Geschichte mit weitreichenden religions- und weltgeschichtlichen Folgen, z. B. wie Judas Iskariot als Apostel ausgemerzt wird und Matthias an seine Stelle tritt, um 12. Apostel zu werden (Apostelgeschichte 1, Vers 26). Wie ich durchs zusätzliche Kreuz- und Querlesen bei Wikipedia lernte, sollten es wohl deshalb zwölf Apostel sein, weil sie die zwölf Stämme Israel repräsentieren. Ich lese über Himmelfahrt (Apostelgeschichte 1, Vers 9) und das Pfingstwunder, demzufolge die Aussendung des Heiligen Geistes sich nicht wie ein durchscheinendes Tuch über die Gläubigen legte (so hatte ich es mir immer vorgestellt), sondern ein windiges Tosen im Haus der Jünger ist, das ihnen die plötzlich einsetzende Fähigkeit gibt, Gottes Werk in fremden Sprachen zu preisen.
Wie ich mittlerweile von Ruth gelernt habe, ist auch dieser Satz vermutlich bemerkenswert: „Diese (Apostel) hielten einmütig fest am Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ (Apostelgeschichte 1, Vers 14) Denn die Frauen beten hier einmütig, ich lese hinein: gleichberechtigt neben den Männern. Wobei der letzte Teilsatz mich fragen ließ, ob Jesus leibliche Brüder hatte oder Glaubensbrüder gemeint sind. Tatsächlich half auch hier Wikipedia, wo ich erfuhr, dass Jesus höchstwahrscheinlich tatsächlich leibhaftige Brüder hatte.
Ich lese aus dem Pfingstwunder auch heraus, dass Petrus hier mit den jüdischen Vorhersagen argumentiert, um Jesu Leben, Sterben und Gottes Wirken zu rechtfertigen. Offenbar waren er und die Erscheinungen beim Aussenden des Heiligen Geistes sehr überzeugend, denn es sollen 3.000 Menschen binnen kürzester Zeit der neuen Gemeinde folgen ("Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen." - Apostelgeschichte 2, Vers 41). Das klang für mich zuerst nach einer überraschend angenehmen Zahl, die Masse suggeriert, aber nicht übertreibt. – Allerdings stimmt der Gedanke nur für die heutige Zeit. Vor 2000 Jahren waren es natürlich wahnsinnig viele Menschen im Verhältnis zur Größe einer – auch großen – Stadt. Bei Wikipedia geht man davon aus, dass sie niedriger lag, gleichwohl enorm angewachsen war.
Und was macht diese Gruppe an Jüngern aus, diese "Jerusalemer Urgemeinde", wie sie bei Wikipedia heißt? Sie traf sich offenbar regelmäßig, teilte das Brot miteinander, lobte Gott und betete zu ihm, teilte Güter und Habe und „fand() Wohlwollen beim ganzen Volk“. Auch hier hilft das schlaue Wikipedia noch ein bisschen weiter. Hier fand ich den Aspekt interessant, dass man bei „... es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel“ (Matthäus 10) die Zuwendung der Apostel zu Kranken verstehen könne.
Punkt zwei also: Es ist absolut lohnenswert, Altes wie Neues Testament zu lesen. Folgt Punkt Drei und damit die Feststellung, dass ich vom Lesen wahrscheinlich nicht gläubig werde. Dass mir durchs Nicht-Glauben, viertens, der Zugang zu manchen Texten schlicht verschlossen bleibt – die von mir im ersten Beitrag bemühte Brücke, über die ich nicht gehen kann. - Oder nach Ruths Worten, man müsse sich schlicht dazu entschließen, zu glauben: nicht gehen will.
Mir persönlich hilft es, so ein Projekt mit wöchentlich konkreter Abgabe zu haben, das ist ein ganz praktisch orientierter Punkt Fünf. Wobei – sechster und letzter Punkt, der gleichwohl keine Rangfolge andeutet – das Lesen und Bearbeiten dadurch noch sinn- und wertvoller wurde, dass wir uns über den Blog ausgetauscht haben. Ruths Sichtweisen und die anderer waren eine weitere Interpretation, sie halfen mir nochmals anders auf den schon gelesenen Text zu sehen.

Vielen herzlichen Dank!

Julia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen