Dieser Teil der Apostelgeschichte ist ein geeigneter
Abschnitt, um
unser kleines, hiermit zu Ende gehende Projekt zu beschließen,
beinhaltet er
doch etwas von allem, was mir bei der Bibellektüre auffiel und wichtig
wurde. Sechs Punkte will
ich nennen.
Der erste ist, dass mir Woche für Woche auffiel, wie viel
Wissen mir fehlt, weil ich die Bibel nicht kenne. Beispiel: Ich hatte
aus dem Ethikunterricht noch im Ohr, dass zwischen
Ostern und Himmelfahrt 40 Tage liegen, hier erfuhr ich (wieder?),
weshalb: „...
und er (Jesus) ließ sich sehen unter ihnen (den Aposteln) vierzig Tage
lang
...“ (Apostelgeschichte 1, Vers 3).
Der zweite Punkt betrifft
den Inhalt des Gelesenen. Er ist in den zehn gewählten Ausschnitten sehr
unterschiedlich gewesen, hat aber immer mindestens einen dieser Aspekte
getroffen: spannende Geschichte zu sein, theologische oder
religionsgeschichtlich etwas zu erklären, er zeigte mir bekannte
Sprichwörter, Ausdrücke, Bilder oder erfreuliche Neologismen. Außerdem
bot die Lektüre immer wieder Möglichkeiten, über das reine Bibelwort
hinaus zu lesen und zu recherchieren. Vieles davon fand sich auch in
unserem Abschnitt der Apostelgeschichte. So las er sich wie eine spannende
Geschichte mit weitreichenden religions- und weltgeschichtlichen
Folgen, z. B. wie Judas Iskariot als Apostel ausgemerzt wird und Matthias an
seine
Stelle tritt, um 12. Apostel zu werden (Apostelgeschichte 1, Vers 26).
Wie ich
durchs zusätzliche Kreuz- und Querlesen bei Wikipedia lernte, sollten es
wohl
deshalb zwölf Apostel sein, weil sie die zwölf Stämme Israel
repräsentieren.
Ich lese über Himmelfahrt (Apostelgeschichte 1, Vers 9) und das Pfingstwunder, demzufolge die Aussendung des Heiligen Geistes sich
nicht wie ein durchscheinendes Tuch über die Gläubigen legte (so hatte
ich es mir immer vorgestellt), sondern ein windiges
Tosen im Haus der Jünger ist, das ihnen die plötzlich einsetzende
Fähigkeit gibt, Gottes Werk
in fremden Sprachen zu preisen.
Wie
ich mittlerweile von Ruth gelernt habe, ist auch dieser Satz
vermutlich bemerkenswert: „Diese (Apostel) hielten einmütig fest am
Gebet samt
den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“
(Apostelgeschichte
1, Vers 14) Denn die Frauen beten hier einmütig, ich lese hinein:
gleichberechtigt neben den
Männern. Wobei der letzte Teilsatz mich fragen ließ, ob Jesus leibliche
Brüder
hatte oder Glaubensbrüder gemeint sind. Tatsächlich half auch hier
Wikipedia, wo ich erfuhr, dass Jesus höchstwahrscheinlich tatsächlich
leibhaftige Brüder hatte.
Ich
lese aus dem Pfingstwunder auch heraus, dass Petrus hier mit den
jüdischen Vorhersagen argumentiert,
um Jesu Leben, Sterben und Gottes Wirken zu rechtfertigen. Offenbar
waren er und die
Erscheinungen beim Aussenden des Heiligen Geistes sehr überzeugend, denn
es
sollen 3.000 Menschen binnen kürzester Zeit der neuen Gemeinde folgen
("Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage
wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen." - Apostelgeschichte 2,
Vers 41). Das klang für mich zuerst
nach einer überraschend angenehmen Zahl, die Masse suggeriert, aber
nicht
übertreibt. – Allerdings stimmt der Gedanke nur für die heutige Zeit.
Vor 2000
Jahren waren es natürlich wahnsinnig viele Menschen im Verhältnis zur
Größe
einer – auch großen – Stadt. Bei Wikipedia geht man davon aus, dass sie
niedriger lag, gleichwohl enorm angewachsen war.
Und was macht diese Gruppe an Jüngern aus, diese "Jerusalemer Urgemeinde", wie sie bei Wikipedia heißt? Sie traf
sich offenbar regelmäßig, teilte das Brot miteinander, lobte Gott und betete zu
ihm, teilte Güter und Habe und „fand() Wohlwollen beim ganzen Volk“. Auch hier
hilft das schlaue Wikipedia noch ein bisschen weiter. Hier fand ich den Aspekt interessant, dass man bei „... es geschahen auch viele Wunder und Zeichen
durch die Apostel“ (Matthäus 10) die Zuwendung der Apostel zu Kranken verstehen könne.
Punkt
zwei also: Es ist absolut lohnenswert, Altes wie Neues Testament zu
lesen. Folgt Punkt Drei und damit die Feststellung, dass ich vom Lesen
wahrscheinlich nicht gläubig werde. Dass mir durchs Nicht-Glauben,
viertens, der Zugang zu
manchen Texten schlicht verschlossen bleibt – die von mir im ersten
Beitrag
bemühte Brücke, über die ich nicht gehen kann. - Oder nach Ruths Worten,
man müsse sich schlicht dazu entschließen, zu glauben: nicht gehen will.
Mir persönlich hilft es, so ein Projekt mit wöchentlich
konkreter Abgabe zu haben, das ist ein ganz praktisch orientierter Punkt Fünf. Wobei – sechster und letzter
Punkt, der gleichwohl keine Rangfolge andeutet – das Lesen und Bearbeiten
dadurch noch sinn- und wertvoller wurde, dass wir uns über den Blog
ausgetauscht haben. Ruths Sichtweisen und die anderer waren eine weitere
Interpretation, sie halfen mir nochmals anders auf den schon gelesenen Text zu
sehen.
Vielen herzlichen Dank!
Julia
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