"Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden" lautet eine Liedzeile, an die ich mich immer wieder Ostern erinnere. Das Lied habe ich als Kind in der Christenlehre gelernt, es hat Ohrwurmcharakter und geht einem so schnell nicht wieder aus dem Sinn. Hier im Lukasevangelium 24, Vers 34 finde ich die Zeile wieder. Es ist ein freudiger und doch leicht verwunderter Ausruf. Die Jünger, die von Jesu Auferstehung erzählen, können es ja kaum selbst glauben, was sie gerade erlebt haben!
Die Geschichte über die Auferstehung ist die Wichtigste für die Christen. Indem Jesus seine eigenen Aussagen und auch die Prophezeiungen aus dem Alten Testament wahr macht, beweist er, dass er von Gott gesandt ist. Er hat den Tod besiegt, denn der konnte ihn gerade mal drei Tage (streng genommen: zwei Nächte) festhalten. Seinem Opfertod folgt, dass er zurückkehrt an die Seite seines Vaters im Himmel - wie es ihm als Gottessohn gebührt. Doch wie kann ich selbst an die Auferstehung glauben? Ist doch Jesus schon bald für menschliche Augen verschwunden (Lukas erzählt das hier in einer fast unverschämt gekürzten Version).
Zuerst erfahren die Frauen von seiner Auferstehung, die ihn zuletzt begleitet hatten und die seinen toten Körper einölen wollten. Sie kommen an sein Grab: eine Höhle in Stein geschlagen, wie damals üblich. Ich bin selbst einmal in Jerusalem gewesen. Dort sah ich in einem Garten eine Stelle, die sein Grab gewesen sein könnte (nicht unter der Grabeskirche). Es war um die Osterzeit herum, also Frühling. Alles blühte so farbenfroh, es gab viel Grün und die Luft war warm, aber noch frisch. Daran muss ich denken, wenn ich diese Zeilen lese. Der Stein, der "weggewälzt" war, war vermutlich mannshoch. Schwer vorstellbar, dass jemand ihn allein (und auch noch von Innen) bewegt haben kann.
Die Frauen begegnen bei Lukas nur den Engeln - Männern in "glänzenden Kleidern", die ihnen erklären, warum Jesus weg ist und die entsprechenden Bibelstellen aus dem Alten Testament auslegen. In einer anderen Version der Auferstehungsgeschichte begegnet Jesus Maria Magdalena im Garten und sie meint, er wäre der Gärtner (Johannes 20, Vers 15). Sie erkennt ihn genauso wenig wie die Emmaus-Jünger. Er muss sich seinen Vertrauten erst zu erkennen geben.
Ja, so geht es mir wohl auch oft, dass ich ihn nicht erkenne. Dass ich zweifle, wie die Jünger, wenn er vor ihnen steht und sie ihn anfassen sollen, damit sie sich nicht weiter wundern. Es bleibt eben eine Glaubensentscheidung, daran festzuhalten, dass Jeus bei mir ist, auch wenn ich ihn nicht sehe. Das kann man schlecht erklären. Meiner damals dreijährigen Tochter sagte ich einmal: Wir können Jesus nicht sehen, aber er wohnt in unserem Herzen. Daraufhin fragte sie logisch schlussfolgernd: Warum wohnt Jesus in unserem Herzen, ist der ganz klein?
Nein. Aber er hat sich klein gemacht, damit ich etwas von ihm begreifen kann, was mein Menschenverstand nachvollziehen kann. Er war eine bestimmte Zeit Mensch und kennt deshalb die menschlichen Fragen, Nöte und Freuden.
Ein sehr oft zitierter Satz ist Vers 29: "Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt." Das sagen die Emmaus-Jünger zu Jesus bevor sie ihn erkennen, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Oft wird der Vers aber heute gebraucht, um sich an Jesus festzuklammern: Auch in schwierigen Zeiten, steh mir bei! Der Abend bringt Unsicherheit, oft steht er auch für den Lebensabend. Da wollen wir Christen uns vergewissern und gegenseitig zusprechen: Jesus, bleib bei uns!
Ich habe als Teenager einmal sehr ernsthaft gebetet, dass Jesus mich nie loslassen soll. Man sollte solche ernsthaften Gebete sehr sparsam einsetzten, denn sie könnten wahr werden! Leider kann ich jetzt nicht mehr leichtfertig das Handtuch werfen und sagen: Mit diesem religiösen Zeug will ich nichts mehr zu tun haben. Ich denke oft an mein noch unschuldiges Gebet, wenn ich das Gefühl habe, dass ich Jesus nicht mehr erkennen kann, wenn meine Zweifel an ihm wachsen (wobei ich nicht an seiner Existenz zweifle, sondern eher an seiner Bedeutung für mein Leben). Aber er lässt mich nicht los, er bleibt bei mir, gerade wenn es finster wird. Bis heute habe ich meinen Glauben nicht verloren - nach manchem inneren Kampf. Ich glaube, das ist nicht mein Verdienst, sondern die Stärke von Gottes Sohn, der das Finstere besiegt hat.
RuthRoyal
Quelle: Lutherbibel 2017
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen