Das Fazit vorweg: Lukas 24 ist wieder eine schöne Stelle, um
mehr über diese und folgende Feiertage zu lernen. Und für mich ist es auch
wieder eine schöne Geschichte, in der ich Bilder wiederfinde, wie ich sie in
Museen gesehen habe, aber fast nichts, das mich ergreift oder sinnieren lässt.
Ich lese, dass „Maria Magdalene, Johanna und Maria, die
Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren“ (Lukas 24,
Vers 10) als erste von Engeln erfahren, dass Jesus tatsächlich auferstanden
ist. Dass sie den Aposteln davon berichten – die es jedoch als „Geschwätz“
(Lukas 24, Vers 11) abtun und ihnen nicht glauben. Nur Petrus lässt sich
verwundern – im Wortsinn: das Wunder, das es für ihn als Gläubigen sein muss,
auf sich wirken.
Während ich die erste Sequenz inhaltlich kannte, war mir die
Begegnung der Jünger mit Jesus „auf dem Weg nach Emmaus“ unbekannt – und
sympathisch. Denn hier unterhalten sich zwei Menschen, die enttäuscht sind von
dem, was Jesus’ Kreuzigung folgte, nämlich nichts (übrigens ein interessantes
Wort, dieses „enttäuschen“, beinhaltet es doch, dass man sich bis dato
getäuscht hatte und nun nicht mehr täuscht – aber so lässt sich diese Stelle
nicht interpretieren). Neben ihnen geht ein Fremder, dem sie die Geschichte erzählen.
Sie merken nicht, dass es Jesus selbst ist. Das kann ich gut verstehen: Denn es
ist schon so, dass man nur erkennt, was man kennt, was in irgendeiner Weise im
Horizont der Möglichkeiten ist. Den gekreuzigten Jesus neben sich auf der
Landstraße zu sehen – das entspricht eventuell der Hoffnung der beiden, aber
offenbar nicht ihrem Erwartungshorizont. Ab Vers 27 empfinde ich Lukas
Beschreibung, wie Jesus Christus wirken kann, als schön metaphorisch. Denn
obwohl die Jünger ihn nicht erkennen, hören sie doch die Worte aus dem Alten
Testament und die, die Jesus gesagt hat, und sie fühlen sich offenbar wohl
und richtig mit seiner Gegenwart, weshalb sie ihn inständig bitten: „Bleib doch
bei uns“ (Vers 29). Nachdem sie Jesus am Brechen und Teilen des Brotes erkannten,
sprachen sie zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er
unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Vers 34) – Hier wird
Jesus als derjenige dargestellt, durch den man die Heilige Schrift erst
versteht.
Wunderbar menschlich und fast schon unterhaltsam scheint mir
der Teil, in dem Jesus versucht, die Jünger von seiner Auferstehung, von seiner
menschlichen Existenz trotz seines Todes zu überzeugen. Dass er ein Geist sein
könnte, scheinen die Jünger anzunehmen – und sich zu fürchten. Und er überzeugt
sie, keiner zu sein, indem sich anfassen lässt – er sei aus Fleisch und Blut –
und indem er etwas isst. Herrlich! Auch hier ploppen Bilder vor meinem
geistigen Auge auf, allerdings aus Gespenstergeschichten, wo Geister das genau
nicht können.
Irritiert war ich davon, dass Jesus gleich, nachdem er sich
zu erkennen gegeben hat, zum Himmel fährt. Also quasi noch Ostermontag. In
Anselm Grüns „Das große Buch der Evangelien“ las ich dann, dass Lukas selbst an
anderer Stelle schreibt, dies sei später geschehen. – Dafür danke ich ihm,
obwohl nicht gläubig. Denn der zusätzliche Feiertag aufgrund seiner Himmelfahrt
freut mich sehr.
Dieser Text ließ, genau wie der über die Kreuzigung, in mir
Filme der beschriebenen Szenen ablaufen. Ich sah Gesteinswüste, hier und da
einen verwachsenen Baum, selten eine Hütte am Wegesrand, ich sah Männer in
kuttenähnlicher Kleidung, die oft getrennt von Frauen unterwegs sind, sah
Frauen, die Kopftücher tragen; erlebte sie alle ernst und mager. Vor meiner
inneren Kamera folgten sie einem Mann, der – auch das kann ich mir gut
vorstellen – außergewöhnlich friedvoll war, der eventuell so etwas wie Wunder
tat, der sicher eine große Ausstrahlung besaß und es sich nicht leicht machte. Ich
sehe, wie erst nur eine Handvoll Freunde ihn begleiteten, wie die Gruppe um ihn
immer größer wurde. Wie sie zur Gemeinschaft wurde durch Rituale, gemeinsam
verbrachte Zeit und das, was sie für wahr halten: Der Mann sei der Messias. Eine
Gruppe, wie sie jederzeit und überall wieder entstehen kann. Und von der man
damals nicht wusste, was bis heute aus ihr wurde. Und die man, entstände sie
jetzt, vermutlich eine Sekte nennen würde.
Julia
Quelle: Einheitsübersetzung
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