Mittwoch, 19. April 2017

Die Ostergeschichte - Lukas 24

Das Fazit vorweg: Lukas 24 ist wieder eine schöne Stelle, um mehr über diese und folgende Feiertage zu lernen. Und für mich ist es auch wieder eine schöne Geschichte, in der ich Bilder wiederfinde, wie ich sie in Museen gesehen habe, aber fast nichts, das mich ergreift oder sinnieren lässt.
Ich lese, dass „Maria Magdalene, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren“ (Lukas 24, Vers 10) als erste von Engeln erfahren, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist. Dass sie den Aposteln davon berichten – die es jedoch als „Geschwätz“ (Lukas 24, Vers 11) abtun und ihnen nicht glauben. Nur Petrus lässt sich verwundern – im Wortsinn: das Wunder, das es für ihn als Gläubigen sein muss, auf sich wirken.
Während ich die erste Sequenz inhaltlich kannte, war mir die Begegnung der Jünger mit Jesus „auf dem Weg nach Emmaus“ unbekannt – und sympathisch. Denn hier unterhalten sich zwei Menschen, die enttäuscht sind von dem, was Jesus’ Kreuzigung folgte, nämlich nichts (übrigens ein interessantes Wort, dieses „enttäuschen“, beinhaltet es doch, dass man sich bis dato getäuscht hatte und nun nicht mehr täuscht – aber so lässt sich diese Stelle nicht interpretieren). Neben ihnen geht ein Fremder, dem sie die Geschichte erzählen. Sie merken nicht, dass es Jesus selbst ist. Das kann ich gut verstehen: Denn es ist schon so, dass man nur erkennt, was man kennt, was in irgendeiner Weise im Horizont der Möglichkeiten ist. Den gekreuzigten Jesus neben sich auf der Landstraße zu sehen – das entspricht eventuell der Hoffnung der beiden, aber offenbar nicht ihrem Erwartungshorizont. Ab Vers 27 empfinde ich Lukas Beschreibung, wie Jesus Christus wirken kann, als schön metaphorisch. Denn obwohl die Jünger ihn nicht erkennen, hören sie doch die Worte aus dem Alten Testament und die, die Jesus gesagt hat, und sie fühlen sich offenbar wohl und richtig mit seiner Gegenwart, weshalb sie ihn inständig bitten: „Bleib doch bei uns“ (Vers 29). Nachdem sie Jesus am Brechen und Teilen des Brotes erkannten, sprachen sie zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Vers 34) – Hier wird Jesus als derjenige dargestellt, durch den man die Heilige Schrift erst versteht.
Wunderbar menschlich und fast schon unterhaltsam scheint mir der Teil, in dem Jesus versucht, die Jünger von seiner Auferstehung, von seiner menschlichen Existenz trotz seines Todes zu überzeugen. Dass er ein Geist sein könnte, scheinen die Jünger anzunehmen – und sich zu fürchten. Und er überzeugt sie, keiner zu sein, indem sich anfassen lässt – er sei aus Fleisch und Blut – und indem er etwas isst. Herrlich! Auch hier ploppen Bilder vor meinem geistigen Auge auf, allerdings aus Gespenstergeschichten, wo Geister das genau nicht können.
Irritiert war ich davon, dass Jesus gleich, nachdem er sich zu erkennen gegeben hat, zum Himmel fährt. Also quasi noch Ostermontag. In Anselm Grüns „Das große Buch der Evangelien“ las ich dann, dass Lukas selbst an anderer Stelle schreibt, dies sei später geschehen. – Dafür danke ich ihm, obwohl nicht gläubig. Denn der zusätzliche Feiertag aufgrund seiner Himmelfahrt freut mich sehr.
Dieser Text ließ, genau wie der über die Kreuzigung, in mir Filme der beschriebenen Szenen ablaufen. Ich sah Gesteinswüste, hier und da einen verwachsenen Baum, selten eine Hütte am Wegesrand, ich sah Männer in kuttenähnlicher Kleidung, die oft getrennt von Frauen unterwegs sind, sah Frauen, die Kopftücher tragen; erlebte sie alle ernst und mager. Vor meiner inneren Kamera folgten sie einem Mann, der – auch das kann ich mir gut vorstellen – außergewöhnlich friedvoll war, der eventuell so etwas wie Wunder tat, der sicher eine große Ausstrahlung besaß und es sich nicht leicht machte. Ich sehe, wie erst nur eine Handvoll Freunde ihn begleiteten, wie die Gruppe um ihn immer größer wurde. Wie sie zur Gemeinschaft wurde durch Rituale, gemeinsam verbrachte Zeit und das, was sie für wahr halten: Der Mann sei der Messias. Eine Gruppe, wie sie jederzeit und überall wieder entstehen kann. Und von der man damals nicht wusste, was bis heute aus ihr wurde. Und die man, entstände sie jetzt, vermutlich eine Sekte nennen würde.

Julia

Quelle: Einheitsübersetzung

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