Dienstag, 25. April 2017

Psalm 23

Psalm 23 ist ein Klassiker: Im Konfirmanden-Unterricht müssen ihn die meisten auswendig lernen. Und mussten es wohl früher auch schon, denn ich denke bei dem Psalm auch immer an die Omis aus der Kirchgemeinde meiner Kindheit, die ihn auswendig mitsprechen konnten. Ich kann das auch.
Psalmen sind religiöse Lieder, die im Judentum und später auch im Christentum als Gebetslieder eine wichtige Rolle spielten. Hier wird Gott direkt angesprochen oder über ihn gesungen - oft als Dank oder Lobpreisung. Es gibt aber auch anklagende, fragende Texte - die Klagepsalmen.
Psalm 23 ist der bekannteste in der Sammlung der Psalmen (es gibt darüber hinaus aber noch mehr, sogar im Neuen Testament). Er wird König David zugeschrieben, ist kurz und einprägsam und benutzt ein eindrückliches Bild: Gott wird als guter Hirte beschrieben.
Bevor David König wurde, war er ein bedeutungsloser Hirtenjunge. (Übrigens ist die Geschichte Davids in der Bibel eine hochspannend erzählte Story - es lohnt sich wirklich, die mal am Stück zu lesen! Sie enthält alles, was uns Menschen ausmacht - mit unseren Zweifeln und Brüchen - und ist keine platte Heldenverehrung. Sogar mein atheistischer Gatte findet die toll! Man lese die zwei Bücher Samuel und das 1. Buch Könige...) David war also Hirte und wusste, wovon er sprach. Er hatte auch Verfolgung und wahrlich schwere Zeiten in seinem Leben durchgemacht, auch mit Gott gehadert (denn er begehrte eine Frau, die verheiratet war - aber das sollte man selbst nochmal genauer nachlesen).
Und trotzdem kann er am Ende sagen (bzw. singen): Gott ist gut zu mir, er passt auf mich auf. Egal wie finster es um mich herum ist, ich muss mich nicht fürchten, Gott zeigt mir den richtigen Weg. Besonders schön: "Er erquickt meine Seele" (Vers 3). Wer wie ich Depressionen oder einfach nur schwere Momente kennt, der wünscht sich doch so eine Seelenbehandlung!
Das Bild des Frischen Wassers, zu dem mich Gott als Guter Hirte führt, taucht hier wieder auf. Für die Autoren der Bibel war Wasser ein besonders starkes Zeichen für Leben - denn sie waren umgeben von Wüste. Das Bild taucht in der Bibel also immer mal auf und auch Jesus spricht von sich als "lebendiges Wasser". Am Anfang der Bibel wird das Paradies als ein blühender Garten beschrieben, voller Leben - der nur durch Wasser möglich und nicht selbstverständlich war, was für uns Europäer wohl nicht so leicht nachzuvollziehen ist, wo es das ganze Jahr über grün ist.
Es fällt auf, das David in der ersten Hälfte des Textes über Gott singt, in der zweiten ihn direkt anspricht. So wurden die Psalmen aus der Bibel vielen Juden und Christen eine direkte Vorlage für ihre eigenen Gebete. Bis heute werden sie auch mal immer wieder neu vertont. Auch Martin Luther nahm sie als Vorbild für deutschsprachige Liedtexte.
Die Psalmen sind nicht nur in ihrer direkten Ansprache Gottes sehr persönlich, sondern verraten auch viel über die Verfasser und ihre Geschichte mit Gott. David endet damit, dass er die Segnungen Gottes in seinem Leben beschreibt und schließt, dass er "immerdar" bei Gott, "im Hause des Herrn" sein wird. Wer mehr von seiner Geschichte weiß, kann staunen: Er hat erlebt, dass ihm trotz schwerer Lebenskrisen Gutes widerfährt, er die Barmherzigkeit Gottes spürt. So kann David sagen: Ich halte an Gott fest, denn in seinem Haus (in seiner Gegenwart) ist mein Platz.
Das ist, finde ich, doch ein sehr ermutigender Schluss und damit kein Wunder, dass dieser Psalm so bekannt ist. Wer ihn im Konfirmandenunterricht gelernt hat, kann ihn sich auch in schweren Zeiten selbst zusprechen und so an Gott festhalten, wenn die eigenen Worte fehlen. Und man kann ihn als Vorlage zum Dankgebet verwenden.

RuthRoyal

Quelle: Lutherbibel 2017


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