Mittwoch, 26. April 2017

Psalm 23

Der Geist freut sich, wenn er etwas entdeckt, was er kennt. Das stellte ich mal wieder fest beim Lesen von Psalm 23. Denn das weckte schon deshalb Freude, weil ich Teilsätze wiedererkannte, insbesondere in der Lutherbibel 1984. So heißt es dort: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.“ Die durch ihre Klarheit mir sonst oft liebe Einheitsübersetzung wirkte für diesen Abschnitt und jenes Bedürfnis des Geistes flach und etwas unrhythmisch. Als Beispiel der gleiche Satz: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“
Ich kann mir gut vorstellen, dass diese sechs Verse beruhigend wirken, wenn man sie wie ein Mantra – oder eben Gebet – hinausschicken kann, um sich der Anwesenheit Gottes zu vergewissern. Auch dabei wirkt gewiss die Wiederholung – insofern sie den Text zu etwas Vertrautem macht. Ich kenne das von einigen Sprichworten oder Aphorismen oder sogar wenigen Liedern, die mir in bestimmten Situationen oder Gefühlsmomenten einfallen. – In meinem Fall sind sie aber eher beschreibend als nach vorn gerichtet. Psalm 23 scheint mir in die Zukunft gerichtet.
Die Verse 1 bis 4 bleiben ja im gleichen Bild: Gott als Hirte der Gläubigen, was vielleicht auch seine Eingängigkeit und infolge dessen Bekanntheit erklärt. Mir fiel es erst richtig auf, als ich Informationen für die Stelle suchte, die mit Fragezeichen einherging. „dein Stecken und Stab trösten mich“ (Lutherübersetzung 1984) bzw. „dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“ (Einheitsübersetzung). Ich überlegte, ob der Stecken nicht zur Strafe gedacht sei und darin fände ich nun weder Trost noch Zuversicht.
Umfangreich erklärt wurde es mir dann auf dieser Seite. Hier wird der Knüppel zuerst mit der Funktion der Verteidigung des Hirten gegen Angreifer erläutert, in zweiter Funktion, "um widerspenstige Tiere seiner Herde zu bestrafen und zur Herde zurückzubringen".
 Allerdings soll der Stock auch noch so verwendet worden sein, dass die Tiere beim Verlassen des Pferchs direkt darunter hindurch liefen – so zählte sie der Schäfer und prüfte zugleich, ob sie Krankheiten unter dem Fell hatten. Übertragen: Gott kümmert sich um seine Schäfchen.
Der Stab ist leichter erklärbar – der lange, am Ende gebogene Stab aus pittoresken Landschaftsbildern: Darauf lehnte der Schäfer sich, drückte aber auch Schafe zurück in ihre Plätze. Zusammenfassend heißt es auf der Seite: "so redet der Stecken von Autorität, Zucht und Verteidigung, während der Stab den Gedanken der Sorgfalt und Leitung vorstellt."
Das ist ein beruhigendes Bild. Suggeriert es doch, dass jeder seinen Platz hat, dass sich Gott kümmere, er alle seine Schäfchen genau kennt und leitet. - Für Gläubige sicher ein Trost.

Julia

Quellen: Lutherbibel 1984 und Einheitsübersetzung

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