Donnerstag, 27. April 2017

Psalm 23

Dieses Mal beschränke ich mich auf die Kommentierung der Texte von Ruth und Julia sowie die Erweiterung um ein paar wenige eigene Gedanken. Denn dieser Text erweckt kaum Bedürfnis nach ausgiebigem Studium in mir. Außerdem fehlt mir gerade die Diskussion ein wenig, ich stelle mir vor, wir säßen bei Tee beieinander und sprächen miteinander über diese Zeilen. Das würde mir gefallen.
Ruth und Julia heben beide zuvorderst auf den Moment der Vertrautheit ab. Tatsächlich erscheint mir dies der bedeutsamste, weil sicherlich wirkungsvollste Weg in der Glaubensvermittlung. Sind es nicht diese wenigen stimmungsvollen, klanghaften Bibelstellen, die immer wieder höchst selektiv genutzt werden, um die Gemeinschaft der Gläubigen einzuschwören... Eine Erinnerung, die für ein wohliges Gefühl sorgt. Wie das Wiegenlied, das uns die Eltern sangen. Der Inhalt wird erfüllt von diesem Gefühl und auf eine Art nebensächlich. 
Nehme ich nur den Inhalt, dann komme ich ins Grübeln: Ich soll das Schäflein sein, getrieben von meinem Hirten. Der sorgt zwar für meine Sicherheit, mein Wohl. Aber ich bin ihm überantwortet. Ich gebe die Verantwortung ab. Das hat tatsächlich etwas Kindliches, auch etwas kindlich schönes. Ja, wie ein Wiegenlied. Aber hat das wunderbare Erwachsen (!) des menschlichen Geistes, das Verantwortung übernehmen für sich selbst, darin überhaupt Platz? Ruth, deine Gedanken dazu würden mich interessieren... Julia, ich muss immer wieder an eine schöne Metapher denken, die du im ersten Text hier bemühst. Der Glaube sei die allererste Brücke, über die zu gehen uns die Bibel abverlangt. Vielleicht ist er - jetzt noch einmal das Bild, das mir von der Lektüre dieses Psalms bleibt - auch das Wiegenlied, das nur in der Wiederholung und Erinnerung das Gefühl der warmen Decke erzeugt. Dem im Wortsinn erwachsenen Geist, der den Sinn nur in den Worten sucht und suchen kann, verschließt sich dies.

Manu

Quelle: Lutherbibel 1984

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