Ein
Text, den ich auszugsweise kenne – als ansprechendes Stückwerk auf
Postkarten oder in Liedern, in schöngeistiger Literatur, in Filmen,
gern in Hochzeitszenen. – Ich glaube, diese Passagen sind deshalb
populär, weil man sie unabhängig von der Bibel anwenden kann.
Etwas, das auch ich bei diesem Kapitel versuchte.
Schon
beim Anfang: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel
redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder
eine lärmende Pauke.“ (Korinther 13, Vers 1) Vielleicht heißt
das, man sei ohne liebevolle Absicht nur laut, ohne damit einen
(wichtigen) Inhalt zu vermitteln. Und meint Vers 3 wirklich, dass die
Selbstverbrennung einen Sinn hätte, etwas nütze, wie es an der
Stelle heißt, aber eben nur mit Liebe? Bei dem Teilsatz „Erkenntnis
vergeht“ dachte ich an Manu und fragte mich, ob sie darüber
schreiben wird, da mir scheint, die eigene Erkenntnis ist das
einzige, woran der sie erlebende Mensch festhalten kann. Und schreibe
ich der Liebe die Eigenschaften zu, die ihr in mehreren Versen
zugeschrieben werden? Geduld und Güte, sich nicht zu ereifern, sich
zurückzuhalten, sich nicht größer zu machen, als sie ist
(Korinther 13, Vers 4) und weiter: „Sie handelt nicht ungehörig,
sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt
das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über Unrecht, sondern
freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft
alles, hält allem stand.“ (Verse 5-7) – Ist die Liebe so? Die
Liebe, wie ich sie kenne? Zwischen zwei Liebenden? Zwischen Eltern
und Kindern? Zwischen Freunden?
Geht
es um diese Liebe überhaupt? – Diese darüber stehende Frage
beantwortete ein in der Bibel Bewanderter am Wochenende, der damit
all meine vorherigen Überlegungen ad absurdum führte. – Danke
Alexander!
Er
meinte: In diesem Text gehe es um Gottesliebe. Um Liebe zwischen zwei
Menschen gehe es nicht. Im griechischen Original stehe an all diesen
Stellen „Agape“, Gottesliebe. Sie sei klar zu unterscheiden von –
beispielsweise – der zwischenmenschlichen Liebe, Eros.
Das
macht mein vorheriges Ansinnen zunichte. Denn genau das versuchte
ich: Den heutigen Liebesbegriff auf den knapp 2000 Jahre alten Text
anzuwenden, den ich in einer Übersetzung lese, die im Grunde nur
einen Liebesbegriff kennt. Denn natürlich kenne ich verschiedene
Arten von Sympathie, Vertrauen, nun: Liebe – dennoch denke ich bei
solchen Texten allein an die Liebe zwischen zwei Erwachsenen.
Ich
glaube, diese Fehlinterpretation teile ich mit sehr vielen Menschen,
die ohne Unterstützung diesen Abschnitt lesen. Durchaus möglich,
dass diese Interpretation erst ab vorigem Jahrhundert um sich griff,
weil erst dann das Bibellesen und regelmäßig ausgelegt zu bekommen,
nicht mehr für jeden zum Alltag gehörte.
Wenn
ich nun trotzdem meine Interpretation des Liebesbegriffs anlege, ist
mein Fazit: Es wäre wunderbar, wenn die Liebe so wäre, wie
beschrieben. Ich möchte, dass es stimmt. Doch die Liebe schwebt
nicht irgendwo, um sich plötzlich auf die Dinge und Menschen zu
legen. Wir Menschen sind es, die lieben. Für uns kann diese
Beschreibung ein anzustrebendes Ideal sein. Im gelebten Alltag ist
sie es nicht. Sind wir nicht derart liebend.
Julia
Quelle: Einheitsübersetzung
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