Wieder
viel gelernt, wunderbar. Bei Texten wie diesem freue ich mich sehr
über das Projekt, ohne das ich weder so zielgerichtet die
bedeutenden Stellen herausgefunden, noch mich so intensiv mit den
jeweiligen Stellen auseinander gesetzt hätte. Dieser Text spricht
mich aufgrund seiner lebenspraktischen Ausrichtung zusätzlich an.
Das war fast immer so, glaube ich. Denn auch während meines Studiums
waren mir Philosophen, denen es um praktische Ethik ging, stets am
liebsten. Und genau um die Frage nach dem richtigen Leben – hier
gottgefälligen – geht es hier.Tatsächlich
nickte ich innerlich beim Lesen häufig, denn viele Forderungen sind
Grundlage unserer Werte geworden (u.a. niemanden zu töten, nicht
fremdzugehen, Bescheidenheit). Einen Teil davon vernachlässige ich
leider genauso, wie es offenbar die Altvorderen taten. Sonst müssten
sie von Jesus nicht zu anderem Handeln aufgefordert werden. Das finde
ich ebenfalls bemerkenswert (und wurde von Manu in einem frühen
Beitrag schon mal bemerkt): Wenn die Menschen vor 2000 Jahren
Hinweise fürs richtige Verhalten benötigten, die heute noch genauso
gegeben werden müssen – dann scheint manches Fehl-Verhalten Teil
der menschlichen Natur zu sein oder aus dem den Menschen eigenen
Zusammenleben zu entstehen.Die
Regeln, denen ich inhaltlich zustimme, scheinen mir jene früher
ersehnten ethischen Hinweise zu sein. Ein Ideal wieder, das im
alltäglichen Leben schwer erreichbar ist. In dieser Hinsicht glaube
ich auch nicht, dass die Menschen sich zu Zeiten, als die Bibel
nahezu alles war, was sie kannten, moralisch besser waren, also mehr
nach dem lebten, was hier zu lesen ist. Ich denke nur, sie hatten
danach eine marterndere Form des schlechten Gewissens. So nehme ich
es an, da Jesus einem in dieser Rede einbläut: Der Herr sehe alles,
auch, was im Verborgenen geschieht, die Gedanken, die Motivation
hinter Taten.In
vielen Kleinigkeiten überraschte mich die Bergpredigt. Schon
grundlegend dadurch, dass sie deutlich länger ist, als ich erwartet
hatte. Oder dadurch, dass Jesus darin das Vaterunser weitergibt, also
die Betformel (Matthäus 6, Vers 9-13). Mir war nicht klar, dass sie
so wörtlich (über Matthäus) von ihm stammt. Auch überraschend hat
sie in der Einheitsübersetzung eine andere Gestalt als die Formel,
die selbst mir als Nicht-Christin geläufig ist. Hier heißt es:
„Unser Vater im Himmel,/dein Name werde geheiligt,/ dein Reich
komme,/ dein Wille geschehe/ wie im Himmel, so auf der Erde./ Gib uns
heute das Brot, das wir brauchen./ Und erlass uns unsere Schulden,/
wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben./ Und führe uns
nicht in Versuchung,/ sondern rette uns vor dem Bösen.“ Dabei
dachte ich, dass man etwas so Elementares nicht anders übersetzen
kann. Auch überraschend fand ich die „Goldene Regel“ ( "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" - Matthäus
7, Vers 12) wieder. Mir war nicht mehr gegenwärtig, dass sie aus der
Bibel stammt.
Theologisch interessant fand ich, dass Jesus sich und seine Auslegung in diesen Versen als Fortführung des Alten Testaments begreift. Nicht als etwas Anderes. Hier sehe ich eine Ähnlichkeit zu Luthers Anliegen: Er wollte keine neue Kirche, sondern die Kirche neu, auch wenn sich das – in beiden Fällen – anders entwickelt hat.
Ein anderer Punkt führt jetzt etwas weiter weg, aber er beschäftigte mich bei dieser Lektüre und Ruths Interpretationen jedoch schon häufiger, und er passt wahrscheinlich nie wieder so gut wie hier. Deshalb auch er noch. In der Bergpredigt nehme ich Jesus auch als jemanden wahr, der Liebe und Versöhnung in den Mittelpunkt stellt. Wenn Ruth ihr Jesus-Bild erläutert, entsteht vor meinem Geiste ein liebevoller, warmherziger Gottessohn, der achtsam mit allem und allen umgeht und auf sie eingeht. Das wiederum erinnert mich an die sogenannte „Gewaltfreie Kommunikation“ (Guter Überblick wie üblich bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation), deren Name meines Erachtens etwas irreführend ist. Sie wird von Anwendern als Lebenshaltung bezeichnet und auch als Kindererziehungsmethode diskutiert. Hier soll der einzelne liebevoll zu sich und anderen sein, achtsam im Umgang, mit dem Geist dort sein, wo er gerade ist. – Ich sehe eine deutliche Parallele zwischen dieser modernen Haltung/Lebensethik und dem, wie Jesus ist – und wir Menschen bei Befolgung der Regeln der Bergpredigt auch sein könnten.
Theologisch interessant fand ich, dass Jesus sich und seine Auslegung in diesen Versen als Fortführung des Alten Testaments begreift. Nicht als etwas Anderes. Hier sehe ich eine Ähnlichkeit zu Luthers Anliegen: Er wollte keine neue Kirche, sondern die Kirche neu, auch wenn sich das – in beiden Fällen – anders entwickelt hat.
Ein anderer Punkt führt jetzt etwas weiter weg, aber er beschäftigte mich bei dieser Lektüre und Ruths Interpretationen jedoch schon häufiger, und er passt wahrscheinlich nie wieder so gut wie hier. Deshalb auch er noch. In der Bergpredigt nehme ich Jesus auch als jemanden wahr, der Liebe und Versöhnung in den Mittelpunkt stellt. Wenn Ruth ihr Jesus-Bild erläutert, entsteht vor meinem Geiste ein liebevoller, warmherziger Gottessohn, der achtsam mit allem und allen umgeht und auf sie eingeht. Das wiederum erinnert mich an die sogenannte „Gewaltfreie Kommunikation“ (Guter Überblick wie üblich bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation), deren Name meines Erachtens etwas irreführend ist. Sie wird von Anwendern als Lebenshaltung bezeichnet und auch als Kindererziehungsmethode diskutiert. Hier soll der einzelne liebevoll zu sich und anderen sein, achtsam im Umgang, mit dem Geist dort sein, wo er gerade ist. – Ich sehe eine deutliche Parallele zwischen dieser modernen Haltung/Lebensethik und dem, wie Jesus ist – und wir Menschen bei Befolgung der Regeln der Bergpredigt auch sein könnten.
Julia
Quelle: Einheitsübersetzung
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