Dienstag, 9. Mai 2017

Bergpredigt - Matthäus 5-7

Wieder viel gelernt, wunderbar. Bei Texten wie diesem freue ich mich sehr über das Projekt, ohne das ich weder so zielgerichtet die bedeutenden Stellen herausgefunden, noch mich so intensiv mit den jeweiligen Stellen auseinander gesetzt hätte. Dieser Text spricht mich aufgrund seiner lebenspraktischen Ausrichtung zusätzlich an. Das war fast immer so, glaube ich. Denn auch während meines Studiums waren mir Philosophen, denen es um praktische Ethik ging, stets am liebsten. Und genau um die Frage nach dem richtigen Leben – hier gottgefälligen – geht es hier.Tatsächlich nickte ich innerlich beim Lesen häufig, denn viele Forderungen sind Grundlage unserer Werte geworden (u.a. niemanden zu töten, nicht fremdzugehen, Bescheidenheit). Einen Teil davon vernachlässige ich leider genauso, wie es offenbar die Altvorderen taten. Sonst müssten sie von Jesus nicht zu anderem Handeln aufgefordert werden. Das finde ich ebenfalls bemerkenswert (und wurde von Manu in einem frühen Beitrag schon mal bemerkt): Wenn die Menschen vor 2000 Jahren Hinweise fürs richtige Verhalten benötigten, die heute noch genauso gegeben werden müssen – dann scheint manches Fehl-Verhalten Teil der menschlichen Natur zu sein oder aus dem den Menschen eigenen Zusammenleben zu entstehen.Die Regeln, denen ich inhaltlich zustimme, scheinen mir jene früher ersehnten ethischen Hinweise zu sein. Ein Ideal wieder, das im alltäglichen Leben schwer erreichbar ist. In dieser Hinsicht glaube ich auch nicht, dass die Menschen sich zu Zeiten, als die Bibel nahezu alles war, was sie kannten, moralisch besser waren, also mehr nach dem lebten, was hier zu lesen ist. Ich denke nur, sie hatten danach eine marterndere Form des schlechten Gewissens. So nehme ich es an, da Jesus einem in dieser Rede einbläut: Der Herr sehe alles, auch, was im Verborgenen geschieht, die Gedanken, die Motivation hinter Taten.In vielen Kleinigkeiten überraschte mich die Bergpredigt. Schon grundlegend dadurch, dass sie deutlich länger ist, als ich erwartet hatte. Oder dadurch, dass Jesus darin das Vaterunser weitergibt, also die Betformel (Matthäus 6, Vers 9-13). Mir war nicht klar, dass sie so wörtlich (über Matthäus) von ihm stammt. Auch überraschend hat sie in der Einheitsübersetzung eine andere Gestalt als die Formel, die selbst mir als Nicht-Christin geläufig ist. Hier heißt es: „Unser Vater im Himmel,/dein Name werde geheiligt,/ dein Reich komme,/ dein Wille geschehe/ wie im Himmel, so auf der Erde./ Gib uns heute das Brot, das wir brauchen./ Und erlass uns unsere Schulden,/ wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben./ Und führe uns nicht in Versuchung,/ sondern rette uns vor dem Bösen.“ Dabei dachte ich, dass man etwas so Elementares nicht anders übersetzen kann. Auch überraschend fand ich die „Goldene Regel“ ( "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" - Matthäus 7, Vers 12) wieder. Mir war nicht mehr gegenwärtig, dass sie aus der Bibel stammt.
Theologisch interessant fand ich, dass Jesus sich und seine Auslegung in diesen Versen als Fortführung des Alten Testaments begreift. Nicht als etwas Anderes. Hier sehe ich eine Ähnlichkeit zu Luthers Anliegen: Er wollte keine neue Kirche, sondern die Kirche neu, auch wenn sich das – in beiden Fällen – anders entwickelt hat.

Ein anderer Punkt führt jetzt etwas weiter weg, aber er beschäftigte mich bei dieser Lektüre und Ruths Interpretationen jedoch schon häufiger, und er passt wahrscheinlich nie wieder so gut wie hier. Deshalb auch er noch. In der Bergpredigt nehme ich Jesus auch als jemanden wahr, der Liebe und Versöhnung in den Mittelpunkt stellt. Wenn Ruth ihr Jesus-Bild erläutert, entsteht vor meinem Geiste ein liebevoller, warmherziger Gottessohn, der achtsam mit allem und allen umgeht und auf sie eingeht. Das wiederum erinnert mich an die sogenannte „Gewaltfreie Kommunikation“ (Guter Überblick wie üblich bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation), deren Name meines Erachtens etwas irreführend ist. Sie wird von Anwendern als Lebenshaltung bezeichnet und auch als Kindererziehungsmethode diskutiert. Hier soll der einzelne liebevoll zu sich und anderen sein, achtsam im Umgang, mit dem Geist dort sein, wo er gerade ist. – Ich sehe eine deutliche Parallele zwischen dieser modernen Haltung/Lebensethik und dem, wie Jesus ist – und wir Menschen bei Befolgung der Regeln der Bergpredigt auch sein könnten.

Julia

Quelle: Einheitsübersetzung

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