Mittwoch, 3. Mai 2017

Gastbeitrag zu 1. Korinther 13

Da ich nun schon zweimal in den letzten Beiträgen erwähnt wurde (einmal direkt, einmal in einer Korrektur) hier nun auch eine kleine Beigabe von mir zu diesem Bibeltext.
Wir befinden uns hier inmitten einer längeren Argumentation. Paulus spricht zu einer Gemeinde, die an vielen Stellen Probleme hat. Eines davon ist eine starke Überbetonung bestimmter Wundergaben, besonders des Redens in einer, dem Sprecher unbekannten, fremden Sprache. Unser Textteil wird dieser Ausrichtung der Korinther entgegengestellt. So beziehen sich die ersten drei Verse in umgekehrter Reihenfolge der Wichtigkeit auf: 1. Sprachen 2. (prophetische) Erkenntnisse und übernatürliche Glaubenskraft 3. Selbsthingabe auch für die Armen und bis hin zum eigenen Tod. Was nun verbindet besonders das dritte (und höchste) Element mit den beiden ersten? Sie werden, nicht nur von den Korinthern, als Dinge angesehen, die sie besonders auszeichnen, als „Werke“ im negativen Sinn, d.h. als Dinge, mit denen wir uns selbst einreden wollen vor Gott bestehen zu können. Und diesen stellt Paulus "agape" entgegen wobei sich hier zwei Bedeutungen dieses Wortes fruchtbar erweisen:
Erstens die offensichtliche, dass es sich um eine Liebe handelt, die tatsächlich vollkommen selbstlos ist und eben nichts für sich beansprucht. Diese kann nur aus dem Evangelium entspringen und als Gabe des Heiligen Geistes. Ich kann sie nicht aus meinem eigenen Willen zum Guten produzieren. (Warum? Siehe z.B. hier, hier oder hier.)
Zweitens ist es die Liebe Gottes, die sich in Christus und seinem Leben, Sterben und Auferstehen für uns erwiesen hat. Christus ist der Dreh und Angelpunkt des Neuen Terstaments, und wenn er tatsächlich wahrer Gott und Mensch ist, auch des Alten. Und – befreiender Weise – hat dies nichts mit mir und meinem Handeln zu tun. In dieser Bedeutung sagt Paulus: ohne die Liebe Christi für Dich wäre all das Nichts!
Ohne den oben beschriebenen Kontext ist es auch schwer, den Sinn ab Vers 8 zu erkennen: 8-10: Die für die Korinther so wichtigen Gaben sind endlich und alle Erkenntnis – die natürliche und übernatürliche – ebenso. Bezüglich der Geistesgaben ist dies übrigens – jedenfalls außerhalb der spezifischen pfingstlerisch-charismatischen Überzeugungen – ein historisches Faktum. Mit dem Vollkommenen in Vers 10 kann Paulus demnach nicht nur die Vollkommenheit des Reiches Gottes nach Christi Wiederkunft gemeint haben, sondern ebenso die Vollendung der göttlichen Offenbarung mit dem (damals noch ausstehenden) Tod des letzten Apostel und dem Ende der Gabe der Prophetie.
Vers 11 bezieht sich klar, mit den diesem Text folgenden Abschnitten, wieder auf die kindliche Lust der Korinther auf die Gaben, die sie im Sinne eines geistlichen Erwachsenwerdens ablegen sollen. Je nach der Auslegung des „Vollkommenen“ ist Vers 12 zu lesen.
Und nun noch die letzte Frage: Warum ist die Liebe größer als Glaube und Hoffnung? Weil alle drei sich auf Christus, seine Verheißungen (Versprechen) und seine Taten beziehen, aber Glaube und Hoffnung enden werden, wenn er, gemäß dieser Verheißungen, wiederkommt. "Agape", die Liebe Gottes zu allen seinen Geschöpfen, deren bloßes, schwaches Echo unsere "agape" nur sein kann, aber, ist in ihm als die Grundfeste der ganzen Schöpfung offenbart.
Alex



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