Da ich nun schon zweimal in den letzten Beiträgen erwähnt wurde (einmal direkt, einmal in einer Korrektur) hier nun
auch eine kleine Beigabe von mir zu diesem Bibeltext.
Wir befinden uns hier inmitten einer längeren
Argumentation. Paulus spricht zu einer Gemeinde, die an vielen
Stellen Probleme hat. Eines davon ist eine starke Überbetonung
bestimmter Wundergaben, besonders des Redens in einer, dem Sprecher
unbekannten, fremden Sprache. Unser Textteil wird dieser Ausrichtung
der Korinther entgegengestellt. So beziehen sich die ersten drei
Verse in umgekehrter Reihenfolge der Wichtigkeit auf: 1. Sprachen 2.
(prophetische) Erkenntnisse und übernatürliche Glaubenskraft 3.
Selbsthingabe auch für die Armen und bis hin zum eigenen Tod. Was
nun verbindet besonders das dritte (und höchste) Element mit den beiden
ersten? Sie werden, nicht nur von den Korinthern, als Dinge
angesehen, die sie besonders auszeichnen, als „Werke“ im
negativen Sinn, d.h. als Dinge, mit denen wir uns selbst einreden
wollen vor Gott bestehen zu können. Und diesen stellt Paulus "agape" entgegen wobei sich hier zwei Bedeutungen dieses Wortes fruchtbar
erweisen:
Erstens die offensichtliche, dass es sich um eine
Liebe handelt, die tatsächlich vollkommen selbstlos ist und eben
nichts für sich beansprucht. Diese kann nur aus dem Evangelium entspringen und als Gabe des Heiligen Geistes. Ich kann sie nicht aus
meinem eigenen Willen zum Guten produzieren. (Warum?
Siehe z.B. hier,
hier
oder hier.)
Zweitens ist es die Liebe Gottes, die sich in
Christus und seinem Leben, Sterben und Auferstehen für uns erwiesen
hat. Christus ist der Dreh und Angelpunkt des Neuen Terstaments, und wenn er
tatsächlich wahrer Gott und Mensch ist, auch des Alten.
Und – befreiender Weise – hat dies nichts mit mir und meinem
Handeln zu tun. In dieser Bedeutung sagt Paulus: ohne die Liebe
Christi für Dich wäre all das Nichts!
Ohne den oben beschriebenen Kontext ist es auch
schwer, den Sinn ab Vers 8 zu erkennen: 8-10: Die für die Korinther
so wichtigen Gaben sind endlich und alle Erkenntnis – die natürliche und
übernatürliche – ebenso. Bezüglich der Geistesgaben
ist dies übrigens – jedenfalls außerhalb der spezifischen
pfingstlerisch-charismatischen Überzeugungen – ein historisches
Faktum. Mit dem Vollkommenen in Vers 10 kann Paulus demnach nicht nur
die Vollkommenheit des Reiches Gottes nach Christi Wiederkunft
gemeint haben, sondern ebenso die Vollendung der göttlichen
Offenbarung mit dem (damals noch ausstehenden) Tod des letzten
Apostel und dem Ende der Gabe der Prophetie.
Vers 11 bezieht sich klar, mit den diesem Text
folgenden Abschnitten, wieder auf die kindliche Lust der Korinther
auf die Gaben, die sie im Sinne eines geistlichen Erwachsenwerdens
ablegen sollen. Je nach der Auslegung des „Vollkommenen“ ist Vers 12 zu lesen.
Und
nun noch die letzte Frage: Warum ist die Liebe größer als Glaube
und Hoffnung? Weil alle drei sich auf Christus, seine Verheißungen
(Versprechen) und seine Taten beziehen, aber Glaube und Hoffnung
enden werden, wenn er, gemäß dieser Verheißungen, wiederkommt. "Agape", die Liebe Gottes zu allen seinen Geschöpfen, deren bloßes,
schwaches Echo unsere "agape" nur sein kann, aber, ist in ihm als die
Grundfeste der ganzen Schöpfung offenbart.
Alex

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