Mittwoch, 10. Mai 2017

Die Bergpredigt - Matthäus 5 - 7

Die Bergpredigt in Matthäus, Kapitel 5 bis 7, ist unheimlich dicht. Sicher ist es eine straffe Zusammenfassung der wichtigsten Jesus-Lehren. Übrigens ist sie auch von den Juden akzeptiert, denn Jesus legt hier als Rabbi ("Lehrer") die jüdische Thora aus.
Am Beginn stehen die Seligpreisungen der Schwachen. Es folgt, dass Jesus die Gesetze des Alten Testaments verstärkt (man beachte etwa die sehr strenge Auffassung vom Ehebruch!). Das Vaterunser, das wir bis heute beten, ist hier zuerst gelehrt worden. Schließlich sind viele grundsätzliche Sätze zum Glaubensleben hier zu finden. Auffällig sind die Betonung der Nächstenliebe, der Armut und Demut. Pazifisten beziehen sich auf die Bergpredigt und auch sonst ist sie in ihren Aussagen radikal, sorgt immer wieder für Zündstoff. Anscheinend schon damals, wie der der Schluss von Kapitel 7 nahelegt: "Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre, denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten." (Verse 28 und 29).
Ich denke, dass bis heute die Institution Kirche Probleme mit diesem Text haben muss, denn was Jesus hier lehrt, passt nicht gerade zu behördenähnlichen Strukturen, wie sie etwa in der Evangelischen Kirche in Deutschland zu finden sind. Auch ich persönlich muss schlucken, bei den Versen aus Kapitel 5, in denen Jesus die Gesetze Mose nochmal (endgültig) auslegt. So streng kann ich das doch kein Mensch einhalten!
Nicht ohne Grund gibt es hier die Parallele zur Bergbesteigung Moses, der auf dem Berg Sinai die Zehn Gebote Gottes empfängt. Auch Jesus ist in diesem Abschnitt auf dem Berg, sinnbildlich Gott nahe, und wird Vertreter, der Gottes Willen an sein Volk weitergibt. In den 12 Jüngern findet sich darüberhinaus die Parallele zu den 12 Stämmen Israels - damit ist das gesamte jüdische (bzw. christliche) Volk angesprochen.
Was mir allerdings beim diesmaligen Lesen besonders aufgefallen ist: Es geht in der Bergpredigt auch mehrmals ganz praktisch ums Gebet und Gottvertrauen. Im Gegensatz zu den hohen ethischen Idealen, die viele Denker und auch andere Religionen beeinflusst haben, sind diese Vertrauens-Grundsätze relevant für meinen ganz persönlichen Umgang mit Gott.
In Kapitel 6 steht neben dem Vaterunser auch die Aufforderung, sich nicht um Essen und Kleidung zu sorgen: "Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft" (Vers 32). Wer wenig hat - so meine Erfahrung - muss Gott zwangsläufig mehr vertrauen und wird nicht von ihm enttäuscht. Würde ich einzelne Erlebnisse hier aufschreiben, würde das sicher den Rahmen sprengen. Ich kann nur so viel schreiben: Ich habe schon teilweise sehr wenig gehabt, manchmal nicht einmal mehr Geld, um mir etwas zu essen zu kaufen - und habe wahre Wunder in dieser Zeit erlebt. Je mehr ich allerdings finanziell abgesichert bin, desto mehr mache ich mir Sorgen - eigentlich ist das das Gegenteil von Gottvertrauen. So zeigt sich, welche (negative) Macht Geld und Besitz haben.
In Vers 33 folgt mein Konfirmationsspruch: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen." Weil mir dieser Vers auf meinen Lebensweg mitgegeben wurde, bin ich vielleicht so wenig "Karrierebewusst" - allerdings ist es auch nicht immer einfach herauszufinden, was es heißt zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit zu suchen.
Auch in Kapitel 7 geht es noch einmal ums Gebet, kurz: Wer bittet, dem wird auch gegeben. (Vers 7) Im Umkehrschluss: Wer nicht fragt, bekommt nichts. Wer Gott nicht sucht, dem wird er sich nicht zeigen.
All diese Verse, sprechen mich immer wieder erneut an, wenn ich sie lese. Darin zeigt sich, dass sie für mein Leben wichtig sind, denn Gott zu vertrauen, ihm im Gebet sich anzuvertrauen, ist immer wieder eine neue Herausforderung und Entscheidung. Genauso wie man bei einer Beziehung (selbst wenn man verheiratet ist), das aneinander Festhalten immer wieder erneuern muss.

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